LaTeX oder Word für die Abschlussarbeit? Entscheidungshilfe nach 6 Kriterien, das nötige Setup, Grundgerüst und Literaturverzeichnis mit biblatex.

"Du musst LaTeX nicht lernen, bevor du anfängst — du lernst es beim Schreiben."
Dein Institut erwartet die Abschlussarbeit in LaTeX, oder dein Word-Dokument bricht bei der dritten Formel und der zweiten Abbildung zusammen. Beides führt zur selben Frage: Umsteigen oder durchhalten? LaTeX ist kein Textverarbeitungsprogramm, sondern ein Satzsystem — du schreibst Text mit Befehlen und lässt daraus ein PDF erzeugen. Das kostet dich am Anfang einen Nachmittag und spart dir am Ende womöglich eine Woche Formatierungsarbeit. Dieser Ratgeber zeigt dir, wann sich der Umstieg wirklich lohnt, was du minimal brauchst und wie dein Grundgerüst aussieht.
Die Antwort hängt an vier Dingen: deinem Fach, dem Umfang der Arbeit, der Art der Zusammenarbeit mit deiner Betreuung und deinem Zeitbudget. Geh die Kriterien einmal durch und zähl mit, auf welcher Seite mehr Punkte liegen.
| Kriterium | Spricht für LaTeX | Spricht für Word |
|---|---|---|
| Formeln | Viele Formeln, Matrizen, chemische Strukturen — Formelsatz ist die Kerndisziplin von LaTeX | Kaum oder keine Formeln |
| Umfang und Struktur | 80 Seiten und mehr, viele Kapitel, automatische Verzeichnisse und Querverweise | Kurze Arbeit mit wenigen Kapiteln |
| Abbildungen und Tabellen | Viele nummerierte Objekte, auf die du im Text verweist | Wenige Bilder, feste Positionen erwünscht |
| Zusammenarbeit | Betreuung arbeitet selbst mit LaTeX oder liest PDFs | Betreuung kommentiert direkt im Dokument und nutzt Änderungsverfolgung |
| Vorgaben | Institut stellt eine LaTeX-Vorlage bereit oder schreibt sie vor | Es gibt ausschließlich eine Word-Vorlage |
| Zeitbudget | Du startest mit Vorlauf, nicht vier Wochen vor Abgabe | Die Abgabe steht kurz bevor und du hast noch nie mit LaTeX gearbeitet |
Zwei Faustregeln, die dir die Entscheidung abnehmen: Wenn dein Institut eine LaTeX-Vorlage bereitstellt, nimm sie — dann arbeitest du mit dem Rückenwind aller, die vor dir dieselbe Arbeit geschrieben haben. Und wenn du weniger als sechs Wochen bis zur Abgabe hast und LaTeX noch nie benutzt hast, bleib bei Word. Der Umstieg mitten im Schreibprozess kostet dich Aufmerksamkeit, die du für den Inhalt brauchst. Wie du eine Word-Arbeit sauber aufsetzt, steht im Ratgeber zum wissenschaftliche Arbeit formatieren in Word.
Du brauchst drei Bausteine: eine TeX-Distribution (die eigentliche Software samt Paketen), einen Editor zum Schreiben und ein Programm, das dein PDF erzeugt. Es gibt zwei Wege, an dieses Paket zu kommen.
Overleaf ist ein Online-Editor: Du öffnest ein Projekt im Browser, schreibst links den Text und siehst rechts das fertige PDF. Es gibt nichts zu installieren, Projekte lassen sich per Link teilen und gemeinsam bearbeiten, und die Plattform bringt eine große Vorlagensammlung mit. Für den Einstieg ist das der schnellste Weg — du kannst innerhalb von zehn Minuten dein erstes kompiliertes PDF sehen. Overleaf hat einen kostenlosen Tarif; welche Grenzen er bei Mitarbeitenden, Kompilierzeit und Synchronisierung setzt, prüfst du am besten direkt auf der Tarifseite, bevor du deine ganze Arbeit darauf aufbaust.
Willst du offline arbeiten und die volle Kontrolle über deine Pakete haben, installierst du eine Distribution. TeX Live wird von der TeX Users Group gepflegt und läuft unter Windows, macOS und Linux; unter macOS heißt die Variante MacTeX. MiKTeX ist die zweite verbreitete Distribution und hat eine bequeme Eigenschaft: Fehlt beim Kompilieren ein Paket, kann es das fehlende Paket direkt nachinstallieren. Als Editor nimmst du, was dir liegt — TeXstudio, TeXmaker oder Visual Studio Code mit einer LaTeX-Erweiterung.
Ein praktischer Kompromiss: Fang auf Overleaf an, damit dich keine Installation aufhält, und richte dir parallel eine lokale Installation ein, sobald du merkst, dass du länger mit LaTeX arbeiten wirst. Dein Dokument ist in beiden Fällen dieselbe Sammlung von Textdateien.
Eine LaTeX-Arbeit besteht aus einer Hauptdatei mit der Struktur und mehreren Kapiteldateien, die du einbindest. Das hat einen handfesten Vorteil: Du arbeitest immer nur an einem Kapitel, und ein kaputtes Kapitel legt nicht dein ganzes Dokument lahm.
| Baustein | Befehl | Wozu |
|---|---|---|
| Dokumentklasse | \documentclass[a4paper,12pt]{scrreprt} | Legt Format und Grundlayout fest |
| Sprache | \usepackage[ngerman]{babel} | Deutsche Trennregeln und Bezeichnungen wie „Inhaltsverzeichnis" |
| Kapitel einbinden | \input{kapitel/einleitung} | Ein Kapitel pro Datei statt einer 200-Seiten-Datei |
| Verzeichnisse | \tableofcontents, \listoffigures, \listoftables | Erzeugt und aktualisiert sich automatisch |
| Querverweise | \label{kap:methode} und \ref{kap:methode} | Nummern verschieben sich nie wieder von Hand |
Für deutschsprachige Arbeiten greifst du am besten zu den KOMA-Script-Klassen. Sie sind die an DIN-Formate und europäische Typografie angepassten Gegenstücke zu den Standardklassen: scrartcl für kurze Texte, scrreprt für Berichte und Abschlussarbeiten, scrbook für Bücher und sehr lange Arbeiten. Der Unterschied zwischen scrreprt und scrartcl ist praktisch: Erst scrreprt kennt Kapitel und legt Titelseite sowie Inhaltsverzeichnis auf eigene Seiten.
Das Titelblatt ist der Punkt, an dem du am wenigsten selbst basteln solltest. Pflichtangaben, Logo und Reihenfolge gibt dein Institut vor — die findest du in der Vorlage oder in der Prüfungsordnung. Was auf ein Deckblatt gehört, fasst der Ratgeber Deckblatt für Hausarbeit und Bachelorarbeit zusammen.
Hier zahlt sich LaTeX am deutlichsten aus. Du pflegst deine Quellen in einer separaten Datei mit der Endung .bib — jede Quelle bekommt einen Schlüssel, zum Beispiel mueller2024. Im Text zitierst du nur noch über diesen Schlüssel, und das Literaturverzeichnis baut sich daraus automatisch auf: richtig sortiert, einheitlich formatiert und ohne die Quellen, die du am Ende doch nicht zitiert hast.
Technisch nimmst du heute biblatex mit dem Backend biber. Der Aufbau ist immer derselbe: Du lädst das Paket mit Stil und Backend, verweist mit \addbibresource auf deine .bib-Datei und setzt an das Ende der Arbeit \printbibliography. Der ältere Weg über BibTeX funktioniert weiterhin, ist aber unflexibler und mit deutschen Zitierstilen umständlicher. Für eine neue Arbeit gibt es kaum einen Grund, damit anzufangen.
Die .bib-Datei musst du nicht von Hand tippen. Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero oder JabRef exportieren genau dieses Format, und die meisten Bibliothekskataloge bieten einen BibTeX-Export direkt beim Treffer an. Prüf die exportierten Einträge trotzdem — fehlende Herausgeber, falsche Jahreszahlen und kaputte Umlaute sind der Normalfall, nicht die Ausnahme. Wie du deine Quellensammlung von Anfang an zitierfähig hältst, steht im Ratgeber zur Literaturverwaltung im Studium; welche Angaben je Quellentyp hineingehören, klärt der Ratgeber Literaturverzeichnis erstellen.
Welchen Zitierstil du einstellst, entscheidet nicht dein Geschmack, sondern dein Institut. Frag das vor dem ersten Kapitel ab, nicht danach — ein Stilwechsel ist in LaTeX zwar eine Zeile, aber die Umstellung von Fußnoten- auf Autor-Jahr-Zitation ändert den Textfluss.
Du musst LaTeX nicht lernen, bevor du anfängst — du lernst es beim Schreiben. Ein realistischer Start sieht so aus:
Danach kannst du alles, was du für 90 Prozent der Arbeit brauchst. Den Rest — Anhang, Abkürzungsverzeichnis, Sperrvermerk — ergänzt du, wenn er dran ist. Wie du die Abschlussarbeit insgesamt terminierst, von der Themenwahl bis zur Abgabe, zeigt der Ratgeber Bachelorarbeit planen.
Ein letzter Hinweis aus der Praxis: Die Werkzeugfrage frisst gern die Zeit, die dem Inhalt fehlt. Wenn du dich im Lesestapel verlierst, hilft es, die wichtigsten Papers erst einmal auf ihren Kern herunterzubrechen, statt sie dreimal zu lesen. Mit Learnboost kannst du deine PDFs hochladen und daraus Zusammenfassungen erstellen lassen — praktisch, wenn du in der Einarbeitungsphase schnell entscheiden musst, welche Quelle überhaupt in deine .bib-Datei wandert. Lad deine ersten drei Papers hoch und behalt den Kopf für die Argumentation frei.
Oft ja, aber nicht zwingend. Der Vorteil liegt dann weniger im Formelsatz als in den automatischen Verzeichnissen, den stabilen Querverweisen und dem Literaturverzeichnis aus der .bib-Datei. Bei einer kurzen Arbeit mit wenigen Kapiteln und einer Betreuung, die direkt im Dokument kommentiert, ist Word die pragmatischere Wahl.
Für das Grundgerüst einer Abschlussarbeit reicht ein konzentrierter Nachmittag: Dokumentklasse, Kapitelstruktur, Abbildungen, Zitate. Alles Weitere lernst du beim Schreiben, wenn du es brauchst. Plan trotzdem Puffer ein und starte nicht vier Wochen vor der Abgabe mit dem Umstieg.
Beides funktioniert, das Dokument ist in beiden Fällen dieselbe Sammlung von Textdateien. Overleaf spart dir die Installation und erlaubt gemeinsames Arbeiten im Browser; eine lokale Distribution wie TeX Live oder MiKTeX funktioniert offline und gibt dir volle Kontrolle über Pakete und Versionen. Viele starten online und ziehen später um.
Für eine neue Arbeit biblatex mit dem Backend biber. Es ist flexibler, kommt besser mit deutschsprachigen Zitierstilen zurecht und wird aktiv weiterentwickelt. BibTeX funktioniert weiterhin, lohnt aber vor allem dann, wenn deine Institutsvorlage es bereits fest vorgibt.
Dann schreibst du in Word. Formale Vorgaben zu Layout, Deckblatt und Zitierstil sind Teil der Bewertungsgrundlage, und eine nachgebaute LaTeX-Fassung ist im Zweifel ein vermeidbares Risiko. Frag im Zweifel deine Betreuung, ob eine LaTeX-Fassung zulässig ist, solange das Layout den Vorgaben entspricht.