Learnboost oder okti.app? Funktionen, Stärken und Grenzen beider KI-Lernapps im Vergleich — plus ein 30-Minuten-Test mit deinem eigenen Skript.

"Funktionslisten sagen dir nicht, ob die erzeugten Karten zu deinem Fach taugen."
Zwei Apps, dasselbe Versprechen: Du lädst deine Vorlesungsfolien hoch und bekommst Lernmaterial zurück. Learnboost und okti.app treten beide mit diesem Versprechen an, lösen es aber unterschiedlich ein — die eine breit über viele Ausgabeformate, die andere schmal und fokussiert auf Karteikarten. Welche zu dir passt, hängt weniger von Funktionslisten ab als von deiner Klausurphase. Dieser Vergleich stellt gegenüber, was beide Anbieter auf ihren eigenen Seiten belegen, und sagt offen dazu, was sich von außen nicht prüfen lässt.
Stand der Angaben: 1. August 2026. Alle Aussagen stammen aus den öffentlichen Seiten der beiden Anbieter (verlinkt im Quellenverzeichnis). Funktionsumfang und Preise ändern sich bei beiden Produkten regelmäßig — prüfe vor einer Kaufentscheidung die aktuellen Angaben.
Der Grundablauf ist bei beiden identisch, und er ist der eigentliche Fortschritt gegenüber dem Abtippen von Karteikarten: Du lädst ein Dokument hoch, die KI liest es, und du bekommst daraus abfragbares Material.
Dass Abfragen in Abständen beim Behalten deutlich mehr bringt als wiederholtes Durchlesen, ist gut belegt — die Übersichtsarbeit von John Dunlosky und Kolleginnen stuft verteiltes Üben und Selbsttests als die beiden Lerntechniken mit dem höchsten Nutzen ein. Beide Apps setzen also auf das Richtige. Der Unterschied liegt woanders.
„Nicht öffentlich genannt" heißt in der Tabelle genau das: Die Funktion taucht auf den öffentlichen Seiten des Anbieters nicht auf. Das ist kein Beleg dafür, dass es sie nicht gibt.
| Funktion | Learnboost | okti.app |
|---|---|---|
| Karteikarten aus eigenen Dokumenten | ja | ja |
| Spaced-Repetition-Wiederholung | ja (Study Mode) | ja |
| Quiz aus dem Dokument | ja (Single-/Multiple-Choice-Karten) | ja |
| Zusammenfassungen | ja (Stichpunkte oder Fließtext, Detailgrad wählbar) | ja (KI-Zusammenfassungen aus PDF-Folien) |
| Chat mit den Unterlagen | ja (Tutor-KI mit Seitenreferenz) | ja (KI-Chat, Beta) |
| Interaktive Lektionen / Lernpfad | nicht öffentlich genannt | ja (Tutor-Modus) |
| Probeklausuren mit Auswertung | ja | nicht öffentlich genannt |
| Mindmaps | ja | nicht öffentlich genannt |
| Podcasts und Hörbücher | ja, offline herunterladbar | nicht öffentlich genannt |
| Lernplan bis zum Klausurtermin | ja (aus Prüfungsdatum und Wunschnote) | nicht öffentlich genannt |
| Dateiformate | PDF, DOCX, PPTX, TXT, OCR-Dokumente, Bilder | PDFs, Texte, Notizen, PowerPoint |
| Ordner und Materialverwaltung | ja (File-Manager) | ja (Ordner und Decks) |
| Eigene Mobile Apps | ja (iOS und Android, mit Sync) | nicht öffentlich genannt |
| Serverstandort | nicht öffentlich genannt | Server in Deutschland (Anbieterangabe) |
| Preise öffentlich einsehbar | ja | nein (kostenlos/Premium ohne Preisliste) |
okti macht weniger — und das ist in einigen Situationen genau der Punkt.
Wenn du nur Karteikarten willst. Wer seinen Stoff ohnehin über Decks lernt und keine Zusammenfassungen, Audioformate oder Klausursimulationen braucht, bekommt bei okti eine schlanke Oberfläche ohne Funktionen, die im Weg stehen. Ordner, Decks und eine Streak-Anzeige für das Tagesziel sind der gesamte Umfang der Organisation.
Wenn Datenschutz dein Ausschlusskriterium ist. okti wirbt ausdrücklich mit „100 % DSGVO-konform (Server in DE)" und damit, dass Vorlesungsfolien auf deutschen Servern bleiben und keine Übertragung an US-amerikanische Anbieter stattfindet. Wenn du mit Unterlagen arbeitest, bei denen dir das wichtig ist — etwa unveröffentlichte Forschungsdaten oder Klinikmaterial —, ist das ein handfestes Argument. Learnboost macht zum Serverstandort auf seinen öffentlichen Seiten keine vergleichbare Angabe; dort steht nur, dass Dateien verschlüsselt übertragen und gespeichert werden und jederzeit löschbar sind. Wenn dieser Punkt für dich zählt, frag beim Anbieter deiner Wahl nach, statt dich auf Marketingtexte zu verlassen.
Wenn du geführte Lektionen suchst. Der Tutor-Modus von okti baut nach Anbieterangabe einen personalisierten Lernpfad mit interaktiven Lektionen zu einem Thema. Das ist ein anderer Ansatz als „hier ist dein Material, leg los" und kann helfen, wenn du bei einem Thema gar nicht weißt, wo du anfangen sollst.
Wenn ein Dokument mehrere Formate hergeben soll. Aus demselben Skript erzeugt Learnboost Zusammenfassung, Karteikarten, Probeklausur, Mindmap und Hörfassung. Das ist kein Selbstzweck: In der Klausurphase brauchst du für dasselbe Kapitel den Überblick (Mindmap), das Detail (Karten), die Prüfungssimulation (Probeklausur) und die Wiederholung unterwegs (Audio) — und jedes Format einzeln von Hand zu bauen, ist genau die Arbeit, die du nicht mehr schaffst.
Wenn die Planung das Problem ist, nicht das Material. Aus Prüfungsdatum und Wunschnote erstellt der KI-Lernplan bis zum Klausurtermin tägliche Sessions und verteilt die Stoffmenge auf die verbleibenden Tage. Wer regelmäßig in der letzten Woche merkt, dass ein Drittel liegen geblieben ist, löst damit ein anderes Problem als mit besseren Karteikarten.
Wenn du Pendelzeit nutzen willst. Podcasts und Hörbücher aus den eigenen Unterlagen lassen sich herunterladen und offline hören. Für Wege, Sport und Haushalt ist das die einzige Lernzeit, die sich ohne Zusatzaufwand gewinnen lässt.
Wenn dein Material unsauber ist. Abfotografierte Tafelbilder, gescannte Handouts und Bilddateien fallen bei reinen PDF-Workflows durchs Raster. Learnboost nennt OCR-Dokumente und Bilder ausdrücklich als unterstützte Formate.
| Deine Situation | Passender Ansatz |
|---|---|
| Ein Fach, Stoff über Decks lernen, schlanke Oberfläche gewünscht | okti.app |
| Serverstandort Deutschland ist Bedingung | okti.app (Anbieterangabe prüfen) |
| Themeneinstieg mit geführten Lektionen | okti.app |
| Vier Klausuren in sechs Wochen, Planung fehlt | Learnboost |
| Prüfungssimulation vor dem Ernstfall gewünscht | Learnboost |
| Lange Pendelwege, Lernen per Audio | Learnboost |
| Material besteht aus Scans und Fotos | Learnboost |
| Budget ist entscheidend | beide kostenlos testen, Limits vergleichen |
Funktionslisten sagen dir nicht, ob die erzeugten Karten zu deinem Fach taugen. Das findest du nur mit deinem eigenen Material heraus — und zwar schneller, als du denkst:
Was du dabei bewertest, sind Kriterien, die für jede Lernplattform gelten. Wenn du systematischer vorgehen willst, findest du sie in der Übersicht zu den sieben Kriterien für die Auswahl einer Lernplattform ausführlich aufgeschlüsselt.
Drei Dinge bleiben offen, und es wäre unredlich, sie zu übergehen:
Und unabhängig davon, welche App es wird: Das Werkzeug erzeugt Material, das Lernen erledigt es nicht. Ob die Karten etwas bringen, entscheidet sich daran, ob du sie aus dem Gedächtnis abrufst, statt sie durchzulesen — nachzulesen in der Anleitung zu Active Recall in vier Schritten. Wie sich Learnboost gegen weitere Lernplattformen schlägt, steht im Vergleich mit StudySmarter.
Wenn du den Selbsttest jetzt machen willst: Lade dein Kapitel bei Learnboost hoch, erzeuge Zusammenfassung und Karten und schau dir an, was in zehn Minuten daraus wird — die Free-Version reicht für den Test.
Die Breite des Funktionsumfangs. okti.app konzentriert sich auf Karteikarten aus deinen Unterlagen samt Spaced Repetition, Quiz und geführten Lektionen. Learnboost erzeugt aus demselben Dokument zusätzlich Zusammenfassungen, Probeklausuren, Mindmaps sowie Podcasts und Hörbücher und plant daraus einen Lernplan bis zum Klausurtermin. Ob das ein Vorteil ist, hängt davon ab, ob du diese Formate brauchst.
Ja, beide bieten einen kostenlosen Einstieg mit Mengenbegrenzung. okti.app gibt an, viele Funktionen seien in der kostenlosen Version enthalten, es gälten aber Limits bei der Anzahl der Inhalte. Learnboost spricht von einer limitierten Free-Version, beziffert die Limits öffentlich aber nicht. Für einen Vergleichstest mit einem einzigen Kapitel reicht beides aus.
Ein Preisvergleich ist derzeit nicht möglich: okti.app nennt auf seinen öffentlichen Seiten keine Preisliste, sondern nur eine kostenlose Version und ein Premium-Angebot (Stand 1. August 2026). Learnboost weist seine Pläne öffentlich aus und beginnt bei 5,83 Euro monatlich im Jahresabo, 6,65 Euro monatlich im Semesterabo und 14,95 Euro im flexiblen Monatsabo.
okti.app wirbt ausdrücklich damit, DSGVO-konform mit Servern in Deutschland zu arbeiten und keine Daten an US-Anbieter zu übertragen. Learnboost macht auf seinen öffentlichen Seiten keine Angabe zum Serverstandort, sondern nennt verschlüsselte Übertragung und Speicherung sowie die jederzeitige Löschbarkeit deiner Dateien. Beides sind Anbieterangaben — wenn der Punkt für dich entscheidend ist, frag vor dem Upload sensibler Unterlagen direkt beim Anbieter nach.
Für mehrere parallele Klausuren spricht mehr für Learnboost, weil dort neben dem Material auch die Zeitplanung abgedeckt ist: Lernplan bis zum Prüfungstermin, Probeklausuren zur Standortbestimmung und Audioformate für Wegzeiten. Geht es dagegen um ein einzelnes Fach, das du über Karteikarten lernst, reicht der schlankere Ansatz von okti.app.