Klausur nicht bestanden? So bereitest du die Klausureinsicht vor, findest deinen echten Fehlerschwerpunkt und planst den zweiten Versuch neu.

"Zwischen einem nicht bestandenen Versuch und einem Abbruch steht die Frage, ob danach etwas anderes gemacht wird als vorher."
Die Note steht im Portal, und sie reicht nicht. Der erste Impuls ist meistens, das Fach wegzuschieben und in ein paar Wochen einfach härter zu lernen. Das ist der teuerste Weg, denn "härter" ändert nichts an der Ursache. Was den zweiten Versuch entscheidet, sind zwei Dinge: die Informationen, die du in der Klausureinsicht bekommst, und ein Lernplan, der sich vom ersten unterscheidet. Beides lässt sich in den nächsten sieben Tagen aufsetzen — Schritt für Schritt, beginnend mit einer Mail ans Prüfungsamt.
Bevor du irgendetwas lernst, klärst du die Formalia. Wie viele Versuche dir zustehen, bis wann du dich zur Wiederholungsprüfung anmelden musst, ob die Anmeldung automatisch erfolgt und welche Fristen für einen Rücktritt gelten, steht in der Prüfungsordnung deines Studiengangs — und nur dort. Diese Regeln unterscheiden sich zwischen Hochschulen, teilweise sogar zwischen Studiengängen derselben Hochschule. Verlass dich deshalb nicht auf das, was Kommilitoninnen erzählen, sondern schreib dem Prüfungsamt eine Mail mit drei Fragen: Wann ist der nächste Prüfungstermin? Muss ich mich aktiv anmelden, und bis wann? Wann und wie kann ich Einsicht in meine Klausur nehmen?
Zur Einordnung: Ein Fehlversuch ist unangenehm, aber er ist nicht das Ende. In der Exmatrikuliertenbefragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung zum Absolventenjahrgang 2014 nannten 30 Prozent derjenigen, die ihr Bachelorstudium abgebrochen haben, unbewältigte Leistungsanforderungen als ausschlaggebenden Grund — der häufigste Einzelgrund überhaupt. Genau dazwischen liegt dein Handlungsspielraum: Zwischen einem nicht bestandenen Versuch und einem Abbruch steht die Frage, ob nach dem Fehlversuch etwas anderes gemacht wird als vorher.
Die Einsicht ist kein Beschwerdetermin, sondern deine einzige Gelegenheit, echte Daten über deinen Fehlversuch zu bekommen. Ohne sie rätst du, woran es lag — und rätst dabei meistens falsch, weil die Erinnerung an eine Prüfung stark verzerrt ist.
Der Grundsatz ist an deutschen Hochschulen einheitlich: Studierende haben Anspruch auf Einsichtnahme in ihre schriftlichen Prüfungsarbeiten und die zugehörigen Gutachten, und zwar in einem angemessenen Zeitrahmen nach Bekanntgabe des Ergebnisses — üblicherweise vor einer Wiederholungsprüfung. So formuliert es zum Beispiel die Universität Hohenheim in ihren Hinweisen zum Prüfungsrecht. Die konkrete Ausgestaltung — Anmeldefristen, Termine, Formulare — regelt aber jede Hochschule selbst. Frag deshalb früh nach, statt auf eine Einladung zu warten.
Praktisch läuft die Einsicht fast überall gleich ab: Die Originalunterlagen darfst du nur unter Aufsicht ansehen, Notizen sind erlaubt, für Kopien oder Fotos gilt das nicht automatisch. Plane wenig Zeit ein, oft sind es 15 bis 30 Minuten. Genau deshalb entscheidet die Vorbereitung darüber, was du mitnimmst.
Diese sechs Fragen lohnen sich fast immer: In welcher Aufgabe habe ich die meisten Punkte verloren? Fehlte dort Wissen oder die Darstellung? Gab es ein Punkteschema, und was hätte den nächsten Punkt gebracht? Welche Aufgaben haben die meisten Teilnehmenden verloren? Welche Quelle deckt den Stoff dieser Aufgabe ab? Und: Worauf soll ich mich beim zweiten Versuch besonders vorbereiten?
Dann ist das ein rechtlicher Schritt, kein Lernschritt — und dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Zwei Dinge solltest du trotzdem wissen. Erstens hat das Bundesverfassungsgericht 1991 in einer bis heute maßgeblichen Entscheidung festgehalten, dass Prüflingen bei Fragen ohne eindeutig richtige Lösung ein eigener Antwortspielraum zusteht: Eine vertretbare und nachvollziehbar begründete Antwort darf nicht als falsch gewertet werden, und substantiierte Einwände müssen die Prüfenden überdenken. Zweitens sind Widerspruchsfristen kurz. An der Universität Hohenheim etwa beträgt die Frist einen Monat ab Bekanntgabe des Ergebnisses, wenn eine Rechtsbehelfsbelehrung vorliegt, und ein Jahr, wenn sie fehlt — Grundlage sind das Landesverwaltungsverfahrensgesetz und die Verwaltungsgerichtsordnung. Weil das Landesrecht ist, kann es bei dir anders aussehen. Kläre die Frist beim Prüfungsamt und hol dir die kostenlose Rechtsberatung deines AStA oder Studierendenwerks dazu, bevor du etwas einreichst.
"Ich habe zu wenig gelernt" ist fast nie die vollständige Erklärung. Sortiere stattdessen jeden Punktverlust in eine Kategorie — die Konsequenzen für den zweiten Versuch sind völlig verschieden.
| Befund in der Klausur | Wahrscheinliche Ursache | Was du änderst |
|---|---|---|
| Letzte Aufgaben leer oder angerissen | Zeiteinteilung und Reihenfolge | Vollständige Altklausuren unter Zeitnahme, feste Minutenbudgets pro Aufgabe |
| Ausführlich geantwortet, aber am Thema vorbei | Aufgabenverständnis, Operatoren | Aufgabenstellungen paraphrasieren, Operatoren wie "erläutern" und "beurteilen" abgleichen |
| Definition, Formel oder Schema fehlte | Abrufproblem, nicht Verständnisproblem | Abrufübungen mit wachsenden Abständen statt Wiederlesen |
| Inhaltlich richtig, trotzdem wenig Punkte | Erwarteter Detailgrad oder Darstellung | Musterlösungen und Punkteschema analysieren, Antwortlänge kalibrieren |
| Ansatz korrekt, Ergebnis falsch | Ausführungs- und Flüchtigkeitsfehler | Kontrollroutine einüben: Teilergebnisse prüfen, Einheiten und Vorzeichen checken |
Addiere anschließend die verlorenen Punkte pro Kategorie. Meistens entfallen 60 bis 80 Prozent des Rückstands auf eine oder zwei Ursachen — und mit denen fängst du an, nicht mit dem Stoff von Kapitel eins. Wie du eine solche Auswertung systematisch durchziehst, steht ausführlich in der Anleitung zum Auswerten von Altklausuren in fünf Schritten.
Der häufigste Fehler beim zweiten Versuch ist, wieder von vorn anzufangen. Dein Ausgangspunkt ist aber nicht Seite eins des Skripts, sondern die Punktetabelle aus der Einsicht. Sortiere die Themen nach verlorenen Punkten und plane die Reihenfolge danach. Alles, was du in der Klausur sicher konntest, bekommt nur noch kurze Auffrischungen.
Wenn du dich beim ersten Mal vorbereitet gefühlt hast und es trotzdem nicht gereicht hat, liegt das oft an der Methode. Beim Wiederlesen entsteht ein Gefühl von Vertrautheit, das sich leicht mit Können verwechseln lässt. Karpicke, Butler und Roediger haben 2009 Studierende nach ihren Lernstrategien befragt: Wiederlesen war die mit Abstand meistgenannte Methode, Selbsttests wurden dagegen selten als bevorzugte Strategie genannt — obwohl Abrufübungen deutlich besser wirken. Roediger und Karpicke hatten das 2006 experimentell gezeigt: Wer sich abfragt, statt erneut zu lesen, behält bei zeitlich verzögerten Tests deutlich mehr. Die Übersichtsarbeit von Dunlosky und Kolleginnen aus dem Jahr 2013, die zehn gängige Lerntechniken nach Evidenzlage sortiert, stuft Selbsttests und verteiltes Üben als die beiden nützlichsten Techniken ein; Wiederlesen landet in der untersten Kategorie.
Praktisch heißt das: Nach jedem Lernblock schließt du die Unterlagen und schreibst aus dem Kopf auf, was du behalten hast. Erst danach kontrollierst du. Karteikarten und Probeklausuren, die du dir aus deinem eigenen Skript erzeugen lässt — etwa mit Learnboost —, nehmen dir dabei nur die Erstellungsarbeit ab. Die Wirkung kommt vom Abrufen selbst. Wie du Abrufübungen sauber aufsetzt, steht im Ratgeber zu Active Recall in vier Schritten.
Verteile die Wiederholungen, statt sie zu bündeln. Cepeda und Kolleginnen haben 2008 gezeigt, dass der optimale Abstand zwischen zwei Lerndurchgängen davon abhängt, wie lange das Wissen halten soll — je später der Test, desto größer der sinnvolle Abstand. Für eine Wiederholungsklausur in acht Wochen bedeutet das: mehrere Durchgänge im Abstand von mehreren Tagen bis zu ein, zwei Wochen, nicht drei Durchgänge in der letzten Woche. Wenn du einen Zeitplan brauchst, an dem du dich entlanghangeln kannst, hilft der 6-Wochen-Zeitplan für die Klausurphase; wer die Planung lieber aus dem eigenen Skript ableiten lässt, findet das im Lernplan-Generator.
War Zeit dein Hauptproblem, ist kein Lernstoff die Lösung, sondern Training unter Prüfungsbedingungen: vollständige Altklausur, Uhr gestellt, keine Unterbrechung, erst danach korrigieren. Zwei bis drei solcher Durchgänge sagen dir mehr über deinen Stand als zwanzig Stunden Lesen. Ob du dabei wirklich besser wirst, siehst du nur, wenn du es festhältst — dazu passt der Ratgeber zum Messen des eigenen Lernfortschritts.
Eine ehrliche Einschränkung: Reflexion über die eigene Prüfung wirkt nicht automatisch. Soicher und Gurung haben 2017 in einer Studie mit 86 Studierenden strukturierte Nachbesprechungsbögen getestet und weder bei den Klausurergebnissen noch bei der gemessenen metakognitiven Fähigkeit einen Effekt gefunden — jedenfalls nicht, wenn sie nur in einem einzigen Kurs eingesetzt wurden. Die Analyse ersetzt also nicht das geänderte Verhalten. Sie ist nur dann etwas wert, wenn aus ihr ein anderer Wochenplan wird.
Wenn du beim letzten Schritt nicht bei null anfangen willst, kannst du deine Skripte und Vorlesungsfolien bei Learnboost hochladen und dir daraus Karteikarten, Probeklausuren und einen Lernplan erzeugen lassen. Die Fehlerliste aus deiner Einsicht bleibt dabei die Vorgabe: Sie bestimmt, womit du anfängst — das Werkzeug spart dir nur die Vorbereitungszeit, die du besser ins Abfragen steckst.
Ja, der Anspruch auf Einsicht in die eigene Prüfungsarbeit und die Gutachten gilt unabhängig davon, ob du bestanden hast. Die Einsicht muss in einem angemessenen Zeitrahmen nach Bekanntgabe des Ergebnisses möglich sein, üblicherweise vor einer Wiederholungsprüfung. Wie du den Termin beantragst und welche Fristen dafür gelten, regelt die Prüfungsordnung deiner Hochschule — frag im Zweifel direkt beim Prüfungsamt nach.
Eine schriftliche Rekonstruktion der Klausur aus dem Gedächtnis, deine Lernunterlagen zu den betroffenen Themen und vor allem eine konkrete Fragenliste. Notiere während der Einsicht zu jeder Aufgabe die erreichten und die möglichen Punkte sowie die Art des Fehlers. Die Termine dauern oft nur 15 bis 30 Minuten, deshalb entscheidet die Vorbereitung darüber, was du mitnimmst.
Notizen sind erlaubt, für Fotos und Kopien gilt das nicht automatisch. Die Originalunterlagen darfst du in der Regel nur unter Aufsicht ansehen, damit nachträgliche Änderungen ausgeschlossen sind. Manche Hochschulen ermöglichen Kopien erst im förmlichen Widerspruchsverfahren. Was bei dir gilt, sagt dir das Prüfungsamt vor dem Termin.
Die Fristen sind kurz und Ländersache. An der Universität Hohenheim beträgt die Widerspruchsfrist einen Monat ab Bekanntgabe des Ergebnisses, wenn eine Rechtsbehelfsbelehrung vorliegt, und ein Jahr, wenn sie fehlt. Bei dir kann das abweichen. Kläre die Frist beim Prüfungsamt und nutze die kostenlose Rechtsberatung von AStA oder Studierendenwerk, bevor du etwas einreichst.
Starte nicht bei Seite eins des Skripts, sondern bei der Punktetabelle aus der Einsicht und arbeite die größten Verlustblöcke zuerst ab. Ersetze Wiederlesen durch Abrufübungen und verteile die Wiederholungen über mehrere Wochen statt sie zu bündeln — Selbsttests und verteiltes Üben gelten in der Forschungsübersicht von Dunlosky und Kolleginnen als die beiden wirksamsten Techniken. War Zeit dein Problem, übe zusätzlich vollständige Altklausuren unter Zeitnahme.