Erstes Semester an der Uni: Was in den ersten zwei Wochen zählt, wie du dein Lernsystem aufsetzt und welche fünf Fehler du dir sparen kannst.

"Knapp die Hälfte aller Studienabbrüche fällt in die ersten beiden Semester."
An vielen Hochschulen beginnt die Vorlesungszeit des Wintersemesters 2026/27 am 12. Oktober. Bis dahin bekommst du Zugangsdaten, ein Modulhandbuch und eine Ersti-Woche — aber niemand sagt dir, in welcher Reihenfolge du das abarbeitest. Genau daran scheitert der Studienstart selten spektakulär und meistens schleichend: Der Stoff läuft weiter, die Nachbereitung nicht. Dieser Guide gibt dir die Reihenfolge für die ersten Wochen, damit du im Dezember nicht bei null anfängst.
In der Ersti-Woche prasselt viel auf dich ein, das später keine Rolle spielt. Diese fünf Dinge dagegen schon:
Die Formate sehen im Stundenplan gleich aus, verlangen aber Unterschiedliches von dir. Wer alle vier gleich behandelt, arbeitet an drei davon vorbei.
| Format | Was dort passiert | Was du dafür tun musst |
|---|---|---|
| Vorlesung | Überblick über den Stoff, oft frontal und in hohem Tempo | Nachbereiten statt mitschreiben: Struktur festhalten, Lücken markieren |
| Übung | Rechnen, Fälle lösen, Aufgabenblätter besprechen | Aufgaben vorher selbst versuchen — das ist der eigentliche Lerneffekt |
| Seminar | Diskussion über Texte, eigene Beiträge und Referate | Texte vorher lesen und zwei Fragen dazu notieren |
| Tutorium | Wiederholung in kleiner Gruppe, geleitet von Studierenden höherer Semester | Konkrete Fragen mitbringen; hier darf alles gefragt werden |
Ob Anwesenheit verpflichtend ist, regelt deine Prüfungsordnung, und die Regeln unterscheiden sich je nach Hochschule und Veranstaltungsform. Verlass dich nicht auf Hörensagen, sondern lies den entsprechenden Paragrafen einmal nach — es ist eine Seite Text.
Im ersten Semester entscheidet sich weniger, wie viel du lernst, als ob dein Material im Dezember auffindbar ist. Drei Bausteine reichen:
Ein Ort pro Modul. Folien, Mitschriften, Aufgabenblätter und Literatur eines Moduls gehören in denselben Ordner, benannt nach dem Muster „Modulname — Woche 01". Klingt banal, spart dir aber in der Klausurphase Stunden. Wie du das dauerhaft durchhältst, steht im Ratgeber zum Organisieren deiner Lernunterlagen in sechs Schritten.
Eine Mitschrift-Methode. Wortprotokolle sind in einer Vorlesung mit 90 Minuten Redezeit nicht zu schaffen und auch nicht sinnvoll. Nimm eine Methode, die schon beim Schreiben strukturiert — die Cornell-Methode für Notizen in der Vorlesung ist dafür der einfachste Einstieg, weil sie eine Spalte für Fragen und eine Zusammenfassungszeile fest vorsieht.
Ein fester Nachbereitungstermin. Plane pro Vorlesung 20 bis 30 Minuten in derselben Woche ein: Mitschrift überfliegen, drei Fragen dazu formulieren, sie ohne Unterlagen beantworten. Dass dieses Abfragen mehr bringt als erneutes Lesen, ist gut belegt — Roediger und Karpicke zeigten 2006, dass Testen dem wiederholten Lesen bei verzögerten Prüfungen deutlich überlegen ist; die Übersichtsarbeit von Dunlosky und Kolleginnen aus dem Jahr 2013 stuft Selbsttests und verteiltes Üben als die beiden nützlichsten unter zehn geprüften Lerntechniken ein. Wann diese Termine in deiner Woche liegen, klärst du am besten einmal grundsätzlich mit einem Wochenplan für deine Lernzeit.
Wenn du dir das Aufbereiten abnehmen lassen willst: Bei Learnboost lädst du deine Folien hoch und bekommst daraus Zusammenfassungen, Karteikarten und einen Lernplan. Die Nachbereitung selbst ersetzt das nicht — die Fragen musst du beantworten, nicht die App.
Ein Leistungspunkt entspricht nach den ländergemeinsamen Strukturvorgaben der Kultusministerkonferenz 25 bis maximal 30 Zeitstunden Arbeitsaufwand. Ein Studienjahr umfasst 60 Leistungspunkte, also bis zu 1.800 Stunden, das Semester entsprechend rund 900. Verteilt auf Vorlesungszeit und Prüfungsphase sind das etwa 40 Stunden pro Woche — inklusive Vor- und Nachbereitung, nicht nur Anwesenheit.
Diese Zahl ist keine Drohung, sondern eine Planungsgröße. Sie sagt dir zweierlei: Erstens sind die 15 Stunden im Stundenplan nur ein gutes Drittel deiner Arbeitszeit; der Rest ist Selbststudium, das niemand für dich terminiert. Zweitens musst du einen Nebenjob ehrlich gegenrechnen. Zwölf Stunden Kellnern sind kein Problem, aber sie kommen zu 40 Stunden dazu, nicht in sie hinein.
Diese Punkte klingen klein, entscheiden aber statistisch mehr als das Talent fürs Fach. Nach den Erhebungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung ist der häufigste Abbruchgrund im Bachelorstudium mit 30 Prozent die nicht bewältigte Leistungsanforderung, gefolgt von fehlender Studienmotivation mit 17 Prozent — und knapp die Hälfte aller Abbrüche fällt in die ersten beiden Semester. Für die Anfängerjahrgänge 2016 und 2017 lag die Bachelor-Abbruchquote bei 28 Prozent, an Universitäten bei 35 Prozent.
Die Prüfungen liegen meist im Februar, die Vorentscheidungen fallen früher. Drei davon triffst du schon in den ersten Wochen:
Wenn du auf die Prüfungen zugehst, planst du rückwärts vom Termin, nicht vorwärts von heute. Wie eine solche Planung konkret aussieht, steht im 6-Wochen-Zeitplan für die Klausurphase.
Das Minimalprogramm für die erste Woche passt in einen Nachmittag: Account aktivieren, Verlaufsplan und Modulhandbuch lesen, Stundenplan aus den Pflichtmodulen bauen, alle Fristen eintragen, pro Modul einen Ordner anlegen und pro Vorlesung einen Nachbereitungstermin in die Woche setzen. Mehr braucht der Anfang nicht. Alles Weitere — Lerngruppe, Methodenfeinschliff, Prüfungsstrategie — ergibt sich, sobald dieses Gerüst steht.
Und wenn nach vier Wochen das Gefühl bleibt, dass dir der Stoff davonläuft: Das ist im ersten Semester normal und kein Grund zur Panik, sondern ein Signal, die Nachbereitung zu verkürzen und häufiger abzufragen. Wenn du dafür Zusammenfassungen, Karteikarten und Probeklausuren direkt aus deinen eigenen Unterlagen erzeugen lassen willst, kannst du deine Skripte und Folien bei Learnboost hochladen und den Rest deiner Zeit ins Abfragen stecken.
Rechne mit rund 40 Stunden pro Woche. Ein Leistungspunkt entspricht nach den ländergemeinsamen Strukturvorgaben der Kultusministerkonferenz 25 bis 30 Zeitstunden, ein Studienjahr umfasst 60 Punkte und damit bis zu 1.800 Stunden. Der Stundenplan deckt davon nur etwa ein Drittel ab, der Rest ist Vor- und Nachbereitung, die du selbst terminieren musst.
Ob Anwesenheit verpflichtend ist, regelt deine Prüfungsordnung, und die Regeln unterscheiden sich je nach Hochschule und Veranstaltungsform. Bei Übungen, Seminaren und Praktika ist Anwesenheit häufiger vorgeschrieben als bei Vorlesungen. Lies den entsprechenden Abschnitt deiner Prüfungsordnung einmal selbst nach, statt dich auf Aussagen aus der Kursgruppe zu verlassen.
Die Vorlesung gibt den Überblick über den Stoff, meist frontal und in hohem Tempo. In der Übung werden Aufgaben gerechnet oder Fälle gelöst — den Lerneffekt hast du nur, wenn du sie vorher selbst versucht hast. Das Tutorium ist die Wiederholung in kleiner Gruppe, geleitet von Studierenden höherer Semester, und der beste Ort für konkrete Fragen.
Die Prüfungsanmeldung läuft an den meisten Hochschulen über ein eigenes System und ist im Verlauf des Semesters fällig, oft im November oder Dezember. Verbindlich ist ausschließlich die Frist deines Prüfungsamts. Trag sie mit einer Woche Vorlauf in den Kalender ein: Wer die Anmeldung verpasst, darf trotz Vorbereitung nicht mitschreiben.
Das ist zu Beginn normal und meist ein Organisationsproblem, kein Talentproblem. Verkürze die Nachbereitung auf 20 bis 30 Minuten je Vorlesung und frag den Stoff dafür häufiger ohne Unterlagen ab — Selbsttests und verteiltes Üben gelten laut der Übersichtsarbeit von Dunlosky und Kolleginnen als die wirksamsten Lerntechniken. Nutze zusätzlich früh die Sprechstunden, sie sind für genau diesen Fall gedacht.