Brainyoo ist eine Lernkartei für Desktop, Web und App. Was die Software kann, was Premium kostet und wann du Karteikarten besser erzeugen lässt.

"Brainyoo verwaltet deine Karteikarten zuverlässig — anlegen musst du sie selbst."
Du suchst eine Karteikarten-Lösung, die auch am Laptop läuft, deine Karten zwischen Geräten synchronisiert und in der Bibliothek ohne WLAN nicht aussteigt. Brainyoo ist ein deutscher Anbieter, der genau diese Anforderungen erfüllt — mit einem Funktionsumfang, der eher an eine Lernsoftware als an eine Handy-App erinnert. Der Haken liegt woanders: Die Karten musst du selbst anlegen. Dieser Artikel zeigt, was Brainyoo laut Anbieter leistet, was Premium kostet, wo die Grenzen bei umfangreichen Skripten liegen und welches Werkzeug in welcher Situation besser passt.
Brainyoo ist eine digitale Lernkartei der Brainyoo Mobile Learning GmbH mit Sitz in Wiesbaden. Das Produkt gibt es in vier Varianten, die über die Cloud des Anbieters denselben Datenbestand teilen: eine Desktop-Version für Windows und Mac, die laut Anbieter auch offline nutzbar ist, eine Webversion im Browser sowie Apps für Android und iOS.
Dass die Software weiterhin gepflegt wird, lässt sich an den Store-Einträgen ablesen: Im deutschen App Store steht Version 2.21.9 vom 30. Oktober 2025, bewertet mit 4,4 von 5 Sternen bei 1.837 Bewertungen. In den Versionshinweisen dieser Fassung wurde der Prüfungsmodus in „Testmodus" umbenannt — wenn du in älteren Anleitungen vom Prüfungsmodus liest, ist dieselbe Funktion gemeint.
Inhaltlich ordnest du deinen Stoff in einer Baumstruktur aus Kategorien und Lektionen. Das klingt bürokratisch, ist bei vier Modulen pro Semester aber der entscheidende Unterschied zu einer flachen Kartenliste: Du kannst gezielt eine Unterlektion lernen, statt dich durch den ganzen Stapel zu wischen.
Brainyoo trennt das Lernen in drei Modi, und diese Trennung ist der wertvollste Teil der Software:
Dazu kommen eine Wiedervorlage der noch offenen Elemente und Learning Analytics, die deinen Fortschritt grafisch darstellen. Die Modus-Logik deckt sich mit dem, was die Lernforschung als wirksam ausweist: Die vielzitierte Übersichtsarbeit von Dunlosky und Kollegen (2013) bewertet von zehn untersuchten Techniken nur zwei als hoch wirksam — Abrufübungen (practice testing) und verteiltes Lernen (distributed practice). Unterstreichen und wiederholtes Durchlesen landen dagegen in der schwächsten Kategorie. Eine Lernkartei bedient beide wirksamen Prinzipien, wenn du sie regelmäßig statt einmalig benutzt. Wie du das systematisch aufziehst, steht in unserem Leitfaden zu Active Recall und Abrufübungen.
Brainyoo beschränkt sich nicht auf Vorder- und Rückseite. Laut Anbieter stehen offene Textkarten, Multiple-Choice-Aufgaben, Lückentexte, Zuordnungsaufgaben und eine eigene Funktion fürs Vokabellernen zur Verfügung. Für die Klausurvorbereitung ist das mehr als Kosmetik: Mit Lückentexten lassen sich Formeln und Gesetzestexte sinnvoll abfragen, mit Zuordnungsaufgaben zum Beispiel Erreger und Krankheitsbilder oder Theorien und Vertreter.
Alle Karten lassen sich mit Bildern, Video- und Audiodateien anreichern und wie in einer Textverarbeitung formatieren; auch E-Books können eingebunden werden. Ein Detail, das häufig missverstanden wird: Du kannst beliebige Dokumente wie PDFs sowie Word- oder Excel-Dateien an eine Karte anhängen. Diese Dateien werden beim Öffnen laut Dokumentation mit dem jeweils zuständigen Programm angezeigt. Das Skript liegt dann also neben der Karte — es wird nicht zu Karten.
| Kartentyp | Gut geeignet für |
|---|---|
| Offene Textkarte | Definitionen, Begriffe, kurze Erklärungen |
| Lückentext | Formeln, Gesetzestexte, Prozessschritte |
| Multiple Choice | Nachbau von MC-Klausuren, Abgrenzungsfragen |
| Zuordnungsaufgabe | Paare: Erreger und Symptom, Theorie und Vertreter |
| Vokabelkarte | Fremdsprachen, Fachterminologie |
Auf den Funktions- und Dokumentationsseiten des Anbieters findet sich keine Funktion, die aus einem Dokument automatisch Karten erzeugt. Brainyoo ist eine Verwaltungs- und Abfrage-Software für Karten, die du selbst schreibst — gründlich gebaut, aber eben manuell gefüttert.
Für die Praxis heißt das: Rechne realistisch mit rund einer Minute pro Karte, inklusive Formulieren und Nachdenken. Ein Modul mit 150 abfragbaren Einheiten kostet dich damit gut zwei Stunden reine Tipparbeit, bevor du die erste Karte gelernt hast. In der Klausurphase mit vier Modulen ist das der Punkt, an dem die Methode kippt. Liegt dein Stoff als Skript, Vorlesungsfolien oder PDF vor, ist der automatische Weg der schnellere: Wie das praktisch abläuft, zeigt unsere Anleitung zum Erstellen von Karteikarten aus PDFs. Learnboost erzeugt aus den eigenen Unterlagen zusätzlich Zusammenfassungen und Probeklausuren, sodass du nicht erst Material produzieren musst, um dich abfragen zu können.
Zweite Grenze: Karteikarten passen nicht auf jeden Stoff. Kurze, eindeutig abfragbare Einheiten funktionieren gut, lange Argumentationsketten und mehrstufige Rechenwege nicht. Für Letztere brauchst du Übungsaufgaben und Klausurnachbauten statt Karten — wie du die aus dem eigenen Skript aufbaust, steht in unserem Ratgeber zu Multiple-Choice-Fragen und Probeklausuren.
Die App ist im Store kostenlos erhältlich, der Funktionsumfang wird über In-App-Käufe und den Shop des Anbieters erweitert. Im Shop kostet das Paket „30 Monate BRAINYOO Premium" 56,99 Euro inklusive Mehrwertsteuer (Stand Oktober 2026); im App Store sind zusätzlich kürzere Laufzeiten als In-App-Kauf gelistet. Prüfe die aktuellen Konditionen vor dem Kauf direkt im Store oder im Shop — Preise und Laufzeiten ändern sich.
Premium umfasst laut Anbieter unter anderem die Freischaltung von bis zu sechs Endgeräten (drei Desktop-, drei Mobilversionen), bis zu 2 GB Cloud-Speicher, unbegrenzt viele Karteikarten, erweiterte Lernstatistiken, den Import von Videos und E-Books, einen XML-Export als Backup und zum Teilen, Lerngruppen, einen LaTeX-Formeleditor und werbefreie Nutzung.
Ein Spartipp, der oft übersehen wird: Manche Hochschulen stellen Brainyoo über ihr eigenes Softwareportal bereit. Die Hochschule Bielefeld etwa bietet ihren Angehörigen neben eigenen Karten auch fertige Lernkartensets von Fachverlagen zur kostenfreien Nutzung an, etwa zu Volkswirtschaftslehre oder zu Anatomie und Physiologie. Ein Blick ins Softwareportal deiner Hochschule lohnt sich also, bevor du selbst zahlst.
Die Entscheidung hängt weniger an der App als an deinem Material und deinem Zeitbudget.
| Deine Situation | Passendes Werkzeug | Warum |
|---|---|---|
| Du willst Karten am Desktop tippen und mobil lernen | Brainyoo | Desktop-Version für Windows und Mac, Web und Apps teilen über die Cloud denselben Bestand |
| Prüfungsstoff mit Lückentexten und Zuordnungen | Brainyoo | fünf Kartentypen statt nur Frage und Antwort |
| Lernen ohne verlässliches Netz, etwa im Zug | Brainyoo | Desktop-Version ist laut Anbieter offline nutzbar |
| Umfangreiche Skripte, Folien oder PDFs als Ausgangsmaterial | Learnboost | erzeugt Karteikarten, Zusammenfassungen und Probeklausuren aus den eigenen Unterlagen statt manuell |
| Maximale Kontrolle über Wiederholungsalgorithmus und Export | Anki | am Desktop kostenlos und sehr flexibel, dafür steile Lernkurve |
Fair bleiben gehört dazu: Brainyoo ist für seinen Zweck solide gebaut, deutschsprachig im Support und mit der Desktop-Variante dort stark, wo reine Handy-Apps schwach sind. Anki ist beim Algorithmus flexibler. Einen breiteren Überblick über Werkzeuge, die Karten automatisch erzeugen, gibt unser Vergleich der KI-Karteikarten-Apps.
Wenn dein Stoff als Skript, Folien oder PDF vorliegt und die Stunden fürs Abtippen fehlen: Lass dir mit Learnboost Karteikarten direkt aus deinen eigenen Unterlagen erstellen und beginne sofort mit dem Abfragen.
Die App ist im Store kostenlos erhältlich, der volle Funktionsumfang läuft über Premium. Im Shop des Anbieters kostet das Paket „30 Monate BRAINYOO Premium“ 56,99 Euro inklusive Mehrwertsteuer (Stand Oktober 2026), im App Store sind zusätzlich kürzere Laufzeiten als In-App-Kauf gelistet. Sieh vorher im Softwareportal deiner Hochschule nach: Manche Hochschulen stellen Brainyoo samt Lernkartensets von Fachverlagen kostenfrei bereit.
Nein. Auf den Funktions- und Dokumentationsseiten des Anbieters findet sich keine Funktion, die aus einem Dokument Karten erzeugt. Du kannst PDFs, Word- und Excel-Dateien an eine Karte anhängen, das Dokument liegt dann aber nur neben der Karte. Wenn dein Stoff als Skript oder Folien vorliegt, brauchst du dafür ein Werkzeug, das die Karten selbst generiert.
Der Anbieter nennt drei Modi: Im Langzeitmodus kommen die Karten nach einem automatisierten, an die Vergessenskurve angepassten Rhythmus zurück. Der Powermodus ist für schnelles Durchlaufen kurz vor der Prüfung gedacht. Im Testmodus, der bis Version 2.21.9 Prüfungsmodus hieß, werden die Karten sequenziell abgefragt.
Das hängt davon ab, was dir wichtiger ist. Brainyoo bietet fünf Kartentypen, eine Desktop-Version für Windows und Mac, Cloud-Synchronisation und deutschsprachigen Support, kostet dafür aber Geld. Anki ist am Desktop kostenlos und beim Wiederholungsalgorithmus sowie beim Export deutlich flexibler, verlangt aber mehr Einarbeitung. Die Karten tippen musst du in beiden Fällen selbst.
Die Desktop-Version für Windows und Mac ist laut Anbieter offline nutzbar, die Daten werden anschließend über die Cloud des Anbieters mit den anderen Geräten synchronisiert. Für Lernphasen im Zug oder in Gebäuden mit schlechtem Netz ist das der praktische Vorteil gegenüber rein webbasierten Werkzeugen.