Die Allgemeine Psychologie fragt nicht, worin sich Menschen unterscheiden, sondern was ihre geistigen Prozesse gemeinsam haben: Wie entsteht aus Lichtreizen ein erkanntes Gesicht? Warum bleibt die eine Vokabel hängen und die andere nicht? Genau diese Grundfunktionen – Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Denken, Emotion und Motivation – bilden das Fundament, auf dem alle anderen Teilgebiete aufbauen.
In der Klausur zahlt sich dabei selten das Auswendiglernen von Jahreszahlen aus. Geprüft wird, ob du Befunde einordnen und auf neue Fälle anwenden kannst: Warum ist eine Verstärkung im Verhältnis 1:5 wirksamer als eine nach jedem Durchgang? Wieso hilft es beim Vokabellernen mehr, sich abzufragen, als den Text ein viertes Mal zu lesen? Diese Seite fasst die prüfungsrelevanten Grundlagen zu Wahrnehmung, Lernen und Gedächtnis zusammen – die drei Blöcke, die in Einführungsmodulen den größten Anteil ausmachen.
Die Lernkarten und Übungsfragen unten sind so geschnitten, wie sie in Klausuren tatsächlich vorkommen: Definitionen sauber abgrenzen, Paradigmen unterscheiden, Effekte an Beispielen erkennen. Du kannst alles direkt hier durchgehen – oder die Inhalte kostenfrei in deinen Learnboost Account übernehmen und mit Spaced Repetition, Lernplan und KI-Tutor weiterarbeiten.
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Die Allgemeine Psychologie untersucht die Gesetzmäßigkeiten psychischer Funktionen, die für alle Menschen gelten. Sie steht damit im Gegensatz zur Differentiellen Psychologie, die sich für interindividuelle Unterschiede interessiert. Ihre klassischen Gegenstandsbereiche sind Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Lernen, Gedächtnis, Denken, Sprache, Emotion und Motivation.
Wahrnehmung ist kein passives Abbilden der Umwelt, sondern ein aktiver Konstruktionsprozess. Man unterscheidet die Empfindung (Sensation) – die Aufnahme physikalischer Reize durch die Sinnesorgane und ihre Umwandlung in neuronale Signale, die sogenannte Transduktion – von der Wahrnehmung (Perception), also der Organisation und Interpretation dieser Signale.
Die Psychophysik beschreibt den Zusammenhang zwischen physikalischer Reizstärke und erlebter Empfindung. Die Absolutschwelle ist die kleinste Reizintensität, die in 50 % der Durchgänge entdeckt wird; die Unterschiedsschwelle (eben merklicher Unterschied) ist die kleinste wahrnehmbare Differenz zwischen zwei Reizen. Nach dem Weber-Gesetz ist diese Differenz keine feste Größe, sondern ein konstanter Anteil des Ausgangsreizes: Zu 100 g muss man mehr hinzufügen als zu 10 g, damit ein Unterschied bemerkt wird.
Bei der Organisation des Wahrgenommenen wirken die Gestaltgesetze: Nähe, Ähnlichkeit, Geschlossenheit, gute Fortsetzung und gemeinsames Schicksal beschreiben, wie einzelne Elemente zu Figuren zusammengefasst und vom Hintergrund getrennt werden. Ergänzend unterscheidet man Bottom-up-Verarbeitung (datengesteuert, vom Reiz ausgehend) und Top-down-Verarbeitung (konzeptgesteuert, von Vorwissen und Erwartung geleitet). Wahrnehmungskonstanzen sorgen dafür, dass ein Objekt trotz wechselnder Netzhautbilder als gleich groß, gleich geformt und gleich hell erlebt wird.
Lernen bezeichnet eine relativ überdauernde Änderung des Verhaltens oder Verhaltenspotenzials aufgrund von Erfahrung. Die Einschränkung ist wichtig: Änderungen durch Reifung, Ermüdung oder Substanzen sind kein Lernen.
Bei der klassischen Konditionierung (Pawlow) wird ein zunächst neutraler Reiz mit einem unbedingten Reiz gepaart, der von sich aus eine Reaktion auslöst. Nach mehreren Paarungen löst der nun bedingte Reiz allein die bedingte Reaktion aus. Zentrale Phänomene sind Akquisition, Extinktion (Ausbleiben der Reaktion, wenn die Paarung entfällt), Spontanerholung, Reizgeneralisierung und Reizdiskrimination. Gelernt wird hier eine Beziehung zwischen zwei Reizen; das Verhalten ist respondent, also durch den Reiz ausgelöst.
Die operante Konditionierung (Thorndike, Skinner) betrifft dagegen Verhalten, das auf seine Konsequenzen wirkt. Verstärkung erhöht die Auftretenswahrscheinlichkeit, Bestrafung senkt sie – jeweils in einer positiven Variante (etwas wird dargeboten) und einer negativen (etwas wird entfernt). Negative Verstärkung ist damit keine Bestrafung, sondern das Wegfallen eines unangenehmen Zustands, das ein Verhalten häufiger macht. Die Verstärkerpläne bestimmen, wie stabil Gelerntes bleibt: Intermittierende Verstärkung – besonders in variablen Quotenplänen – führt zu deutlich löschungsresistenterem Verhalten als kontinuierliche Verstärkung.
Beim Modelllernen (Bandura) genügt die Beobachtung eines Modells samt dessen Konsequenzen. Aufmerksamkeit, Behalten, motorische Reproduktion und Motivation sind die vier notwendigen Teilprozesse.
Das Mehrspeichermodell von Atkinson und Shiffrin unterscheidet sensorisches Register (sehr große Kapazität, Bruchteile einer Sekunde), Kurzzeitgedächtnis (begrenzte Kapazität, Sekunden bis Minuten) und Langzeitgedächtnis (praktisch unbegrenzt und dauerhaft). Information gelangt durch Aufmerksamkeit ins Kurzzeit- und durch Enkodierungsprozesse ins Langzeitgedächtnis.
Baddeleys Arbeitsgedächtnismodell ersetzt das passive Kurzzeitgedächtnis durch ein aktives System aus zentraler Exekutive, phonologischer Schleife, visuell-räumlichem Notizblock und episodischem Puffer. Die Kapazität liegt nach heutigem Stand bei etwa vier Einheiten (Chunks) – Millers klassische Angabe von sieben plus/minus zwei gilt als überschätzt. Chunking erhöht die nutzbare Menge, indem Einzelelemente zu bedeutungshaltigen Einheiten gebündelt werden.
Im Langzeitgedächtnis trennt man deklaratives Wissen (explizit, bewusst abrufbar; unterteilt in episodisch für persönlich Erlebtes und semantisch für Faktenwissen) vom prozeduralen Gedächtnis (implizit, Fertigkeiten wie Fahrradfahren).
Wie gut etwas behalten wird, hängt weniger von der Wiederholungsdauer ab als von der Verarbeitungstiefe: Semantische, bedeutungsbezogene Verarbeitung führt zu besseren Leistungen als rein oberflächliche. Zwei robuste Effekte prägen die Lernpraxis: Beim Testeffekt verbessert aktives Abrufen das spätere Behalten stärker als erneutes Lesen; beim verteilten Lernen (spacing) schlagen über die Zeit verteilte Einheiten das Massieren am Stück. Vergessen erklärt sich vor allem durch Interferenz – proaktiv, wenn Älteres Neues stört, retroaktiv, wenn Neues Älteres überlagert – und durch fehlende Abrufhinweise. Die Ebbinghaus'sche Vergessenskurve zeigt den charakteristisch steilen Abfall kurz nach dem Lernen mit anschließender Abflachung.
Frage antippen, um die Antwort aufzudecken.
Mit den Gesetzmäßigkeiten psychischer Funktionen, die für alle Menschen gelten (Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis, Denken, Emotion, Motivation). Sie grenzt sich von der Differentiellen Psychologie ab, die interindividuelle Unterschiede untersucht.
Empfindung ist die Aufnahme physikalischer Reize durch die Sinnesorgane und ihre Umwandlung in neuronale Signale (Transduktion). Wahrnehmung ist die Organisation und Interpretation dieser Signale.
Als die kleinste Reizintensität, die in 50 % der Durchgänge entdeckt wird.
Als relativ überdauernde Änderung des Verhaltens oder Verhaltenspotenzials aufgrund von Erfahrung. Änderungen durch Reifung, Ermüdung oder Substanzen zählen nicht dazu.
Ein unbedingter Reiz (UCS) löst von sich aus eine unbedingte Reaktion (UCR) aus. Wird ein neutraler Reiz mehrfach mit dem UCS gepaart, wird er zum bedingten Reiz (CS) und löst allein die bedingte Reaktion (CR) aus.
Klassisch wird eine Beziehung zwischen zwei Reizen gelernt, das Verhalten ist reizausgelöst (respondent). Operant wirkt Verhalten auf seine Konsequenzen, es wird eine Verhalten-Konsequenz-Beziehung gelernt.
Das allmähliche Ausbleiben der bedingten Reaktion, wenn der bedingte Reiz wiederholt ohne den unbedingten Reiz dargeboten wird.
Sensorisches Register (sehr große Kapazität, Bruchteile einer Sekunde), Kurzzeitgedächtnis (begrenzte Kapazität, Sekunden bis Minuten) und Langzeitgedächtnis (praktisch unbegrenzt und dauerhaft).
Das Bündeln einzelner Elemente zu größeren, bedeutungshaltigen Einheiten, wodurch sich die im Arbeitsgedächtnis nutzbare Informationsmenge erhöht.
Beide sind deklarativ (explizit). Das episodische Gedächtnis speichert persönlich Erlebtes mit Zeit- und Ortsbezug, das semantische allgemeines Faktenwissen ohne Bezug zur Lernsituation.
Über die Zeit verteilte Lerneinheiten führen zu besserem langfristigem Behalten als dieselbe Lernzeit am Stück (massiertes Lernen).
Einen charakteristisch steilen Abfall der Behaltensleistung kurz nach dem Lernen, der im weiteren Verlauf deutlich abflacht.
Je bedeutungsbezogener (semantischer) Material verarbeitet wird, desto besser wird es behalten – tiefe Verarbeitung schlägt oberflächliche, unabhängig von der reinen Wiederholungsdauer.
Die Tendenz, Objekte trotz wechselnder Netzhautbilder als gleichbleibend zu erleben – etwa in Größe, Form und Helligkeit.
Bei der Generalisierung löst auch ein dem bedingten Reiz ähnlicher Reiz die Reaktion aus. Bei der Diskrimination wird gelernt, nur auf den spezifischen bedingten Reiz zu reagieren.
Lösung:
Negative Verstärkung: Ein unangenehmer Zustand (frühes Aufstehen) wird entfernt, wodurch das Verhalten häufiger auftritt.
Verstärkung erhöht die Auftretenswahrscheinlichkeit, Bestrafung senkt sie. „Negativ" heißt nicht „unangenehm", sondern dass ein Reiz entfernt wird. Da das Weiterstellen zunimmt, liegt Verstärkung vor – und weil ein aversiver Zustand wegfällt, ist sie negativ.
Lösung:
Zutreffend sind der Testeffekt und der Spacing-Effekt.
Millers „sieben plus/minus zwei" gilt heute als überschätzt; aktuelle Schätzungen liegen bei etwa vier Chunks – „exakt sieben" ist damit falsch. Prozedurales Wissen ist implizit und steht dem deklarativen Gedächtnis gegenüber, es ist kein Teil davon.
Lösung:
Bei der klassischen Konditionierung wird eine Beziehung zwischen zwei Reizen gelernt: Ein neutraler Reiz wird mit einem unbedingten Reiz gepaart und löst danach allein die Reaktion aus. Das Verhalten ist respondent, also durch den Reiz ausgelöst – etwa wenn einem beim Geruch der Mensa das Wasser im Mund zusammenläuft. Bei der operanten Konditionierung wird dagegen eine Beziehung zwischen Verhalten und Konsequenz gelernt: Verstärkung macht ein Verhalten wahrscheinlicher, Bestrafung seltener. Das Verhalten wird spontan gezeigt und durch seine Folgen geformt – etwa wenn man häufiger in der Vorlesung mitschreibt, weil es die Klausurnote verbessert hat.
Eine vollständige Antwort nennt (1) die gelernte Beziehung (Reiz–Reiz vs. Verhalten–Konsequenz), (2) die Rolle des Verhaltens (respondent/ausgelöst vs. operant/spontan gezeigt) und (3) je ein passendes Beispiel.
Lösung:
Das Weber-Gesetz: 2 g sind bei 20 g ein Zehntel und damit deutlich merklich, bei 500 g dagegen nur ein 250stel und liegen unter der Unterschiedsschwelle.
Entscheidend ist nicht die absolute Differenz, sondern ihr Verhältnis zum Ausgangsreiz. Genau das beschreibt das Weber-Gesetz.
Lösung:
Zutreffend sind die Aussagen zum unbedingten Reiz und zur Extinktion.
Die Verhalten-Konsequenz-Beziehung gehört zur operanten Konditionierung. Reizgeneralisierung ist das Gegenteil der beschriebenen Aussage: Auch ähnliche Reize lösen die Reaktion aus — nur auf den exakten Reiz zu reagieren ist Reizdiskrimination.
Lösung:
Die Beteiligung bleibt besonders stabil: Intermittierende Verstärkung nach variabler Quote erzeugt das löschungsresistenteste Verhalten.
Weil nicht vorhersehbar ist, wann die Verstärkung kommt, wird das Verhalten auch über längere Phasen ohne Verstärkung beibehalten. Kontinuierliche Verstärkung führt dagegen zu schneller Löschung, sobald sie ausbleibt.
Lösung:
Retroaktive Interferenz: Das später Gelernte (Spanisch) stört den Abruf des früher Gelernten (Französisch).
Retroaktiv heißt rückwirkend — Neues überlagert Älteres. Bei proaktiver Interferenz wäre es umgekehrt: Das zuerst gelernte Französisch würde den Abruf des Spanischen behindern.
Lösung:
Korrekt sind die ersten drei Zuordnungen.
Das kurzfristige Behalten einer Telefonnummer ist Aufgabe des Arbeits- beziehungsweise Kurzzeitgedächtnisses. Episodisch und semantisch sind Unterformen des deklarativen Gedächtnisses, prozedurales Wissen ist implizit.
Lösung:
B behält mehr — das ist der Testeffekt: Aktives Abrufen festigt Wissen stärker als wiederholtes Lesen.
Wiederholtes Lesen erzeugt ein Gefühl von Vertrautheit, das leicht mit Können verwechselt wird. Der Abrufversuch selbst verändert dagegen die Gedächtnisspur und macht sie stabiler. Genau darauf beruht Spaced Repetition.
Lösung:
Chunking bezeichnet das Bündeln einzelner Elemente zu größeren, bedeutungshaltigen Einheiten. Dadurch steigt die im Arbeitsgedächtnis nutzbare Informationsmenge, ohne dass sich dessen Kapazität von etwa vier Einheiten ändert. Die zwölf Einzelziffern lassen sich als drei Jahreszahlen bündeln — 1989, 1492 und 2024 — also als drei Chunks statt zwölf Einzelinformationen. Da drei Chunks innerhalb der Kapazitätsgrenze liegen, ist die Folge so problemlos zu behalten.
Eine vollständige Antwort nennt (1) die Definition, (2) den Bezug zur begrenzten Kapazität des Arbeitsgedächtnisses und (3) die konkrete Bündelung zu drei Jahreszahlen.
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