Maschinenbau

Technische Mechanik – Festigkeitslehre

32 Lernkarten · 10 Übungsfragen · 9 Min Lesezeit

Festigkeitslehre ist der Teil der Technischen Mechanik, in dem aus abstrakten Schnittgrößen konkrete Bauteilaussagen werden: Hält der Stab die Last, oder versagt er? Die Statik liefert Normalkraft, Querkraft und Biegemoment – die Festigkeitslehre verteilt diese Schnittgrößen über den Querschnitt und macht daraus Spannungen, die sich mit Werkstoffkennwerten vergleichen lassen. Dieser Dreischritt aus Schnittgröße, Spannung und Nachweis ist das Rückgrat fast jeder Aufgabe in der TM2 Klausur – und er ist gut lernbar, weil er immer demselben Muster folgt.

Diese Festigkeitslehre Zusammenfassung arbeitet die klausurrelevanten Blöcke der Reihe nach durch: Spannung und Dehnung mit dem Hookeschen Gesetz, den Zugversuch mit Streckgrenze und Zugfestigkeit, zulässige Spannung und Tragfähigkeitsnachweis, Flächenträgheitsmoment und Widerstandsmoment inklusive Satz von Steiner, die Spannung bei Biegung mit der Randspannungsformel σ_b = M/W, Schub und Abscheren, die Torsion von Wellen sowie das Knicken nach Euler mit den vier Knickfällen. Jede Formel steht neben einem vollständig durchgerechneten Zahlenbeispiel in konsistenten Einheiten – Kräfte in N, Längen in mm, Spannungen in MPa –, denn in Klausuren gehen die meisten Punkte nicht an der Idee verloren, sondern an der Einheitenumrechnung und am vergessenen Nachweis σ_vorh ≤ σ_zul.

Unter der Zusammenfassung findest du Lernkarten zu Definitionen, Formeln und typischen Fehlerquellen sowie Übungsfragen im Klausurformat – vom schnellen Spannungsnachweis bis zur Euler-Knicklast, jeweils mit Musterlösung und Einheitenkontrolle. Übernimmst du die Inhalte in deinen Learnboost-Account, wiederholt Spaced Repetition jede Karte genau dann, wenn du sie zu vergessen beginnst, der Lernplan verteilt den Stoff bis zur Prüfung, und der KI-Tutor beantwortet Rückfragen – etwa, warum ein Träger hochkant neunmal steifer ist als flach. Einzige Voraussetzung: Du kannst Schnittgrößen bestimmen. Alles Weitere baut diese Seite Schritt für Schritt auf.

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Zusammenfassung

Die Festigkeitslehre beantwortet, ob ein Bauteil eine Belastung erträgt und wie stark es sich verformt. Ausgangspunkt sind die Schnittgrößen aus der Statik – Normalkraft N, Querkraft Q, Biegemoment M, Torsionsmoment T. Von dort führt immer derselbe Weg: Spannung berechnen, mit der zulässigen vergleichen, Nachweis hinschreiben.

Vom Schnittufer zur Spannung

Eine Spannung ist die auf die Fläche bezogene innere Kraft in einer gedachten Schnittfläche. Steht die Kraftkomponente senkrecht auf der Fläche, heißt sie Normalspannung σ (Zug positiv, Druck negativ); liegt sie in der Fläche, heißt sie Schubspannung τ. Die Einheit ist das Megapascal: 1 MPa = 1 N/mm². Einheitenroutine: Kräfte in N (kN mal 1.000), Längen in mm, Momente in N·mm, E-Moduln in MPa (GPa mal 1.000) – Spannungen kommen dann automatisch in MPa heraus. Welcher Anteil als σ und welcher als τ erscheint, hängt von der Schnittrichtung ab; deshalb braucht es später Vergleichsspannungen.

Zug und Druck: Spannung, Dehnung, Hookesches Gesetz

Beim geraden Stab unter Normalkraft verteilt sich N gleichmäßig über den Querschnitt: σ = N/A. Die Verformung beschreibt die Dehnung ε = Δl/l₀ – dimensionslos, meist in Promille. Im elastischen Bereich gilt das Hookesche Gesetz σ = E · ε. Der Elastizitätsmodul ist ein Werkstoffkennwert: Stahl rund 210.000 MPa, Aluminium rund 70.000 MPa – bei gleicher Spannung dehnt sich Aluminium dreimal so stark. Für den Stab folgt Δl = N · l₀/(E · A). Beispiel Stahlstab, l₀ = 2.000 mm, A = 200 mm², N = 21 kN: σ = 21.000/200 = 105 MPa, ε = σ/E = 105/210.000 = 0,0005 = 0,5 ‰, Δl = 0,0005 · 2.000 mm = 1,0 mm. Einheitenkontrolle: N · mm/(N/mm² · mm²) = mm. Quer zur Zugrichtung schnürt sich der Stab ein: ε_quer = −ν · ε mit ν ≈ 0,3 für Metalle, im Beispiel −0,15 ‰.

Wärmedehnung und thermische Spannungen

Temperaturänderungen dehnen Bauteile auch ohne Kraft: ε_th = α · ΔT, für Stahl mit α ≈ 12 · 10⁻⁶ 1/K. Ein 10 m langer Träger wird bei ΔT = 50 K um Δl = 0,000012 · 50 · 10.000 mm = 6 mm länger – sofern er sich frei dehnen darf. Wird die Dehnung vollständig behindert, entsteht eine Spannung vom Betrag σ = E · α · ΔT = 210.000 · 0,0006 = 126 MPa, bei Erwärmung als Druckspannung – ohne äußere Last, unabhängig von der Stablänge.

Zugversuch, Werkstoffkennwerte und zulässige Spannung

Der Zugversuch liefert die Kennwerte für alle Nachweise. Das Spannungs-Dehnungs-Diagramm beginnt mit einer Geraden – hier gilt Hooke. An der Streckgrenze R_e endet der rein elastische Bereich: Der Werkstoff fließt und behält nach Entlastung eine bleibende Dehnung. Danach verfestigt sich das Material bis zur Zugfestigkeit R_m, dem Maximum des technischen Diagramms; die Bruchdehnung misst die plastische Dehnung bis zum Bruch. Duktile Werkstoffe wie Baustahl kündigen Versagen durch große Verformung an, spröde wie Gusseisen brechen fast ohne Vorwarnung – man sichert duktile gegen R_e ab, spröde gegen R_m. Die zulässige Spannung teilt den Grenzwert durch einen Sicherheitsfaktor S: σ_zul = R_e/S bzw. R_m/S, für S235 mit R_e = 235 MPa und S = 1,5 etwa 157 MPa. Das Grundschema aller Nachweise: vorhandene Spannung berechnen, zulässige bestimmen, vergleichen – σ_vorh ≤ σ_zul – in der Klausur immer explizit hinschreiben.

Flächenträgheitsmoment, Widerstandsmoment und Satz von Steiner

Ob ein Querschnitt Biegung gut erträgt, entscheidet die Verteilung der Fläche: Material weit weg von der neutralen Faser wirkt überproportional. Genau das misst das Flächenträgheitsmoment I (Einheit mm⁴). Für das Rechteck gilt I = b · h³/12, wobei h die Abmessung in Lastrichtung ist – die Höhe geht hoch drei ein, die Breite nur linear. Der Orientierungseffekt: Ein Rechteckquerschnitt 20 mm breit und 60 mm hoch hat hochkant I = 20 · 60³/12 = 360.000 mm⁴, flach gelegt (60 mm breit, 20 mm hoch) nur I = 60 · 20³/12 = 40.000 mm⁴ – Faktor 9. Deshalb stellt man Balken hochkant. Für den Kreis gilt I = π · d⁴/64, für den Kreisring I = π · (D⁴ − d⁴)/64. Randspannungen liefert das Widerstandsmoment W = I/z_max (z_max = Randabstand); beim Rechteck W = b · h²/6, im Beispiel hochkant 12.000 mm³, flach 4.000 mm³. Zusammengesetzte Querschnitte behandelt der Satz von Steiner: I_gesamt = Summe aus I_eigen + A · a² über alle Teilflächen, mit a als Abstand vom Teilschwerpunkt zum Gesamtschwerpunkt. Beispiel I-Profil, 100 mm hoch: Steg 20 mm breit und 60 mm hoch, oben und unten je ein Gurt 60 mm breit und 20 mm hoch. Der Steg liegt im Gesamtschwerpunkt: 360.000 mm⁴ ohne Steiner-Anteil. Jeder Gurt: I_eigen = 40.000 mm⁴, A = 1.200 mm², a = 40 mm, also A · a² = 1.920.000 mm⁴, zusammen 1.960.000 mm⁴. Gesamt: I = 360.000 + 2 · 1.960.000 = 4.280.000 mm⁴ – die Gurte liefern über 90 Prozent, darum sind I-Profile so effizient. Zwei Fehlerquellen: a bezieht sich immer auf den Gesamtschwerpunkt, und der Eigenanteil wird nie weggelassen.

Biegung: Randspannung und Bemessung

Bei gerader Biegung verläuft die Normalspannung linear über die Querschnittshöhe: null in der neutralen Faser (sie geht durch den Schwerpunkt), Maximum am Rand – auf einer Seite Zug, auf der anderen Druck. Die Randspannung liefert σ_b = M/W. Beispiel: Ein beidseitig gelenkig gelagerter Träger, Stützweite 2,0 m, mittig F = 2,4 kN: M = F · l/4 = 1,2 kN·m = 1.200.000 N·mm. Mit dem hochkant gestellten Rechteck von oben (W = 12.000 mm³) folgt σ_b = 1.200.000/12.000 = 100 MPa. Nachweis: 100 MPa ≤ σ_zul = 140 MPa – erfüllt. Die Bemessung dreht die Formel um: W_erf = M/σ_zul. Für M = 2,4 kN·m und σ_zul = 160 MPa ist W_erf = 2.400.000/160 = 15.000 mm³ – ein Rechteck 30 mm breit und 60 mm hoch bietet W = 18.000 mm³ und reicht. Die Durchbiegung steuert die Biegesteifigkeit E · I; beim Kragarm mit Endlast gilt f = F · l³/(3 · E · I) – die Länge geht hoch drei.

Schub und Abscheren

Die Querkraft erzeugt Schubspannungen in der Schnittfläche. Als Näherung dient die mittlere Schubspannung τ = Q/A; real ist die Verteilung parabelförmig, beim Rechteck mit dem Maximum 1,5 · Q/A in der neutralen Faser. Klausurrelevant ist das Abscheren von Bolzen und Nieten: einschnittig trägt eine Scherfläche, zweischnittig verteilen zwei die Kraft. Beispiel: Ein Bolzen mit A = 200 mm² je Scherfläche überträgt F = 24 kN zweischnittig, also τ = 24.000/(2 · 200) = 60 MPa ≤ τ_zul = 80 MPa – erfüllt. Einschnittig wären es 120 MPa, der Nachweis wäre verfehlt.

Torsion

Ein Torsionsmoment T verdreht den Stab und erzeugt Schubspannungen, die am Rand maximal sind und in der Stabachse verschwinden. Für Kreisquerschnitte gilt τ_t = T/W_p mit dem polaren Widerstandsmoment W_p = π · d³/16 (Vollkreis); das polare Flächenträgheitsmoment ist I_p = π · d⁴/32. Beispiel: T = 400 N·m = 400.000 N·mm und W_p = 5.000 mm³ ergeben τ_t = 80 MPa. Der Verdrehwinkel wächst mit T und der Stablänge und sinkt mit der Torsionssteifigkeit G · I_p. Wellen sind rund, weil Kreisquerschnitte das Material bei Torsion optimal ausnutzen; offene Profile wie L- oder U-Querschnitte sind extrem torsionsweich und dafür ungeeignet.

Knicken nach Euler

Knicken ist kein Festigkeits-, sondern ein Stabilitätsversagen: Ein schlanker Druckstab weicht seitlich aus, lange bevor die Druckspannung die Festigkeitsgrenze erreicht. Die kritische Last liefert die Euler-Formel F_k = π² · E · I/l_k², mit I als kleinstem Flächenträgheitsmoment, denn der Stab weicht um seine schwache Achse aus. Die Knicklänge folgt aus der Lagerung – die vier Euler-Fälle: eingespannt/frei l_k = 2 · l, beidseitig gelenkig l_k = l, eingespannt/gelenkig l_k = 0,7 · l, beidseitig eingespannt l_k = 0,5 · l. Beispiel: Stab 20 mm × 60 mm, l = 2.000 mm, beidseitig gelenkig. I_min = 60 · 20³/12 = 40.000 mm⁴, l_k = 2.000 mm, also F_k = π² · 210.000 · 40.000/2.000² ≈ 20.700 N ≈ 20,7 kN. Einheitenkontrolle: N/mm² · mm⁴/mm² = N. Fließen begänne erst bei F = R_e · A = 235 · 1.200 = 282 kN – der Stab knickt bei gut 7 Prozent davon. Euler gilt nur für schlanke Stäbe, die elastisch ausknicken; gedrungene, kurze Druckstäbe erreichen vorher die Fließgrenze (Tetmajer-Bereich).

Zusammengesetzte Beanspruchung

Wirken Normalkraft und Biegemoment gleichzeitig, addieren sich die Normalspannungen am Randpunkt – mit Vorzeichen. Beispiel: Rechteck 30 mm breit, 40 mm hoch (A = 1.200 mm², W = 8.000 mm³), N = 48 kN Zug, M = 0,48 kN·m: σ_N = 48.000/1.200 = 40 MPa, σ_b = 480.000/8.000 = 60 MPa. Am einen Rand 40 + 60 = 100 MPa Zug, am anderen 40 − 60 = −20 MPa, also Druck. Nachweis: 100 MPa ≤ σ_zul = 120 MPa – erfüllt. Für gleichzeitige Normal- und Schubspannungen braucht es eine Vergleichsspannung. Standard für zähe Werkstoffe ist von Mises, im ebenen Spannungszustand σ_v = Wurzel aus (σ_x² + σ_y² − σ_x · σ_y + 3 · τ²), im häufigen Fall „Normalspannung plus Schub“ σ_v = Wurzel aus (σ² + 3 · τ²) – reiner Zug liefert σ_v = σ, reiner Schub σ_v = 1,73 · τ. Klassische Anwendung: die Welle unter Biegung plus Torsion – Ausblick auf die Maschinenelemente.

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Beispiel-Lernkarten

Frage antippen, um die Antwort aufzudecken.

Was ist eine mechanische Spannung, und worin unterscheiden sich Normal- und Schubspannung?

Spannung ist die auf die Fläche bezogene innere Kraft in einer gedachten Schnittfläche. Die Normalspannung σ steht senkrecht auf der Schnittfläche (Zug positiv, Druck negativ), die Schubspannung τ liegt tangential in der Fläche. Einheit: MPa = N/mm². Erst die Spannung macht Schnittgrößen mit Werkstoffkennwerten vergleichbar.

Wie lautet die Einheitenroutine der Festigkeitslehre, damit Spannungen automatisch in MPa herauskommen?

Kräfte in N (kN mal 1.000), Längen in mm, Momente in N·mm, E-Moduln in MPa (GPa mal 1.000). Dann gilt: Spannung = N/mm² = MPa, Flächenträgheitsmoment in mm⁴, Widerstandsmoment in mm³. Beispiel: 210 GPa = 210.000 MPa, 45 kN = 45.000 N.

Ein Zugstab trägt N = 45 kN bei A = 300 mm², zulässig sind 160 MPa. Führe den Spannungsnachweis.

σ = N/A = 45.000 N / 300 mm² = 150 N/mm² = 150 MPa. Nachweis: σ_vorh = 150 MPa ≤ σ_zul = 160 MPa – erfüllt. Einheitenkontrolle: N/mm² ist per Definition MPa; wer mit 45 statt 45.000 rechnet, bekommt den unsinnigen Wert 0,15 MPa.

Wie ist die Dehnung ε definiert, und welche Einheit hat sie?

ε = Δl/l₀, also Längenänderung geteilt durch Ausgangslänge. Als Quotient zweier Längen ist sie dimensionslos; wegen der kleinen Werte gibt man sie oft in Promille an. Beispiel: Δl = 1 mm bei l₀ = 2.000 mm ergibt ε = 0,0005 = 0,5 ‰.

Was besagt das Hookesche Gesetz, und welche E-Moduln haben Stahl und Aluminium?

Im elastischen Bereich sind Spannung und Dehnung proportional: σ = E · ε. Der Elastizitätsmodul E ist ein Werkstoffkennwert: Stahl rund 210.000 MPa, Aluminium rund 70.000 MPa. Bei gleicher Spannung dehnt sich Aluminium deshalb dreimal so stark wie Stahl.

Berechne die Längenänderung: Stahlstab, N = 21 kN Zug, l₀ = 2.000 mm, A = 200 mm², E = 210.000 MPa.

Δl = N · l₀/(E · A) = 21.000 · 2.000/(210.000 · 200) = 1,0 mm. Einheitenkontrolle: N · mm/(N/mm² · mm²) = mm. Kontrolle über die Kette: σ = 21.000/200 = 105 MPa, ε = 105/210.000 = 0,5 ‰, Δl = 0,0005 · 2.000 mm = 1,0 mm.

Was beschreibt die Querkontraktion?

Ein gezogener Stab wird nicht nur länger, sondern auch dünner: ε_quer = −ν · ε_längs mit der Querkontraktionszahl ν ≈ 0,3 für Metalle. Beispiel: Bei einer Längsdehnung von 0,5 ‰ beträgt die Querdehnung −0,15 ‰.

Wie groß sind Wärmedehnung und thermische Spannung? Stahlträger, ΔT = 50 K, α = 12 · 10⁻⁶ 1/K, l₀ = 10 m.

Frei dehnbar: ε_th = α · ΔT = 0,0006 = 0,6 ‰, also Δl = 0,0006 · 10.000 mm = 6 mm. Vollständig behindert: σ = E · α · ΔT = 210.000 · 0,0006 = 126 MPa Druckspannung – ohne äußere Last. Die Spannung ist von der Stablänge unabhängig, die Längenänderung nicht.

Welche Kennwerte liefert der Zugversuch, und was bedeuten sie?

Streckgrenze R_e: Ende des rein elastischen Bereichs, der Werkstoff beginnt zu fließen. Zugfestigkeit R_m: Maximum des technischen Spannungs-Dehnungs-Diagramms. Bruchdehnung: bleibende Dehnung beim Bruch, Maß für die Duktilität. Duktile Werkstoffe verformen sich vor dem Versagen stark, spröde brechen fast ohne Vorwarnung.

Wie entsteht die zulässige Spannung, und wie lautet das Grundschema jedes Festigkeitsnachweises?

σ_zul = Werkstoffgrenzwert geteilt durch Sicherheitsfaktor S – bei duktilen Werkstoffen meist R_e/S, bei spröden R_m/S. Beispiel: S235 mit R_e = 235 MPa und S = 1,5 ergibt σ_zul ≈ 157 MPa. Grundschema: vorhandene Spannung berechnen, zulässige bestimmen, vergleichen – σ_vorh ≤ σ_zul explizit hinschreiben.

Was beschreibt das Flächenträgheitsmoment I, und wie lautet es für das Rechteck?

I misst, wie gut die Querschnittsfläche gegen Biegung verteilt ist: Material weit weg von der neutralen Faser wirkt überproportional. Einheit mm⁴. Rechteck: I = b · h³/12, wobei h die Abmessung in Lastrichtung ist – die Höhe geht mit der dritten Potenz ein, die Breite nur linear.

Worin unterscheiden sich Flächenträgheitsmoment I und Widerstandsmoment W?

I (mm⁴) beschreibt die Steifigkeit des Querschnitts gegen Biegeverformung und steckt in der Biegesteifigkeit E · I. W = I/z_max (mm³) bezieht I auf den Randabstand und liefert direkt die Randspannung σ_b = M/W. Rechteck: W = b · h²/6. Für Spannungsnachweise braucht man W, für Verformungen I.

Wie lautet der Satz von Steiner, und was sind die beiden klassischen Fehler?

Für zusammengesetzte Querschnitte: I_gesamt = Summe aus (I_eigen + A · a²) über alle Teilflächen; a ist der Abstand vom Teilschwerpunkt zum Gesamtschwerpunkt. Fehler 1: a auf eine falsche Achse statt auf den Gesamtschwerpunkt beziehen. Fehler 2: den Eigenanteil I_eigen weglassen – er gehört immer dazu, auch wenn er klein ist.

Berechne den Steiner-Anteil: Gurt 60 mm breit, 20 mm hoch, Schwerpunktabstand a = 40 mm zum Gesamtschwerpunkt.

Eigenanteil: I_eigen = 60 · 20³/12 = 40.000 mm⁴. Fläche: A = 60 · 20 = 1.200 mm². Steiner-Anteil: A · a² = 1.200 · 40² = 1.920.000 mm⁴. Gesamtbeitrag des Gurts: 40.000 + 1.920.000 = 1.960.000 mm⁴ – der Steiner-Anteil dominiert deutlich, der Eigenanteil zählt trotzdem mit.

Wie verteilt sich die Biegespannung über den Querschnitt, und wie groß ist sie am Rand bei M = 1,2 kN·m und W = 12.000 mm³?

Bei gerader Biegung verläuft σ linear über die Höhe: null in der neutralen Faser durch den Schwerpunkt, Maximum am Rand, eine Seite Zug, die andere Druck. Randspannung: σ_b = M/W = 1.200.000 N·mm / 12.000 mm³ = 100 MPa. Einheitenkontrolle: N·mm/mm³ = N/mm² = MPa.

Wovon hängt die Durchbiegung eines Balkens ab?

Von der Biegesteifigkeit E · I im Nenner – doppeltes I bedeutet halbe Durchbiegung – und sehr stark von der Länge: Beim Kragarm mit Endlast gilt f = F · l³/(3 · E · I), die Länge geht hoch drei. Doppelte Länge heißt also achtfache Durchbiegung.

Warum trägt ein I-Profil bei gleichem Materialeinsatz mehr als ein kompakter Querschnitt?

Weil seine Gurte weit von der neutralen Faser entfernt liegen und dort über den Steiner-Anteil A · a² überproportional zu I beitragen. Im Beispielprofil (Steg 20 mm breit und 60 mm hoch, zwei Gurte je 60 mm breit und 20 mm hoch) liefern die Gurte über 90 Prozent von I = 4.280.000 mm⁴.

Warum baut man Wellen mit Kreisquerschnitt, und warum sind offene Profile für Torsion ungeeignet?

Beim Kreisquerschnitt bleiben die Querschnitte beim Verdrehen eben, die Schubspannung steigt linear vom Wert null in der Achse zum Maximum am Rand – das Material wird gleichmäßig genutzt: τ_t = T/W_p mit W_p = π · d³/16. Offene Profile wie L- oder U-Querschnitte sind extrem torsionsweich und verformen sich stark.

Ein Rechteckquerschnitt 20 mm breit und 60 mm hoch wird hochkant statt flach eingebaut. Um welchen Faktor wächst das Flächenträgheitsmoment?

  • ✓ Faktor 9: hochkant I = 20 · 60³/12 = 360.000 mm⁴, flach I = 60 · 20³/12 = 40.000 mm⁴
  • Faktor 3, entsprechend dem Seitenverhältnis 60 zu 20
  • Faktor 27, weil die Höhe hoch drei eingeht
  • Gar nicht – die Fläche bleibt gleich, also auch I

Die Höhe eines Rechteckquerschnitts wird bei gleicher Breite verdoppelt. Wie ändert sich das Flächenträgheitsmoment I?

  • ✓ Es verachtfacht sich, weil die Höhe mit h³ eingeht
  • Es vervierfacht sich, weil die Höhe mit h² eingeht
  • Es verdoppelt sich, proportional zur Fläche
  • Es versechzehnfacht sich

Welche Einheit hat das Flächenträgheitsmoment I?

  • ✓ mm⁴
  • mm³
  • mm²
  • MPa

Ein zweischnittiger Bolzen mit A = 200 mm² je Scherfläche überträgt F = 24 kN. Wie groß ist die mittlere Schubspannung?

  • ✓ 60 MPa, denn τ = F/(2 · A) = 24.000 N / 400 mm²
  • 120 MPa – das wäre der einschnittige Fall mit nur einer Scherfläche
  • 30 MPa
  • 240 MPa

Ein Druckstab ist an beiden Enden gelenkig gelagert (Euler-Fall 2). Wie groß ist die Knicklänge?

  • ✓ l_k = l – die Stablänge selbst
  • l_k = 2 · l – das gilt für den einseitig eingespannten, oben freien Stab
  • l_k = 0,7 · l – das gilt für eingespannt/gelenkig
  • l_k = 0,5 · l – das gilt für beidseitige Einspannung

Die Länge eines Druckstabs wird verdoppelt, alles andere bleibt gleich. Wie ändert sich die Euler-Knicklast?

  • ✓ Sie sinkt auf ein Viertel, weil l_k im Quadrat im Nenner steht
  • Sie halbiert sich, weil F_k proportional zu 1/l ist
  • Sie bleibt gleich, weil E und I unverändert sind
  • Sie sinkt auf ein Achtel

Ein Stab (A = 1.200 mm², W = 8.000 mm³) trägt N = 48 kN Zug und M = 0,48 kN·m. Welche Spannung wirkt am höchstbelasteten Rand?

  • ✓ 100 MPa: Zuganteil 40 MPa plus Biegeanteil 60 MPa
  • 60 MPa – das ist nur der Biegeanteil
  • 40 MPa – das ist nur der Zuganteil
  • 20 MPa – das ist der Betrag am gegenüberliegenden Rand (40 − 60 = −20 MPa, Druck)

Ein Bauteil steht unter reinem Schub mit τ = 100 MPa. Wie groß ist die Vergleichsspannung nach von Mises?

  • ✓ Rund 173 MPa, denn σ_v = Wurzel aus (3 · τ²) = 1,73 · τ
  • 100 MPa – Schub zählt wie eine Normalspannung
  • 141 MPa, also Wurzel 2 mal τ
  • 300 MPa, also 3 · τ

Welche Aussagen über den Spannungsbegriff treffen zu?

  • ✓ Die Normalspannung σ steht senkrecht auf der Schnittfläche, die Schubspannung τ liegt in der Fläche.
  • ✓ 1 MPa entspricht genau 1 N/mm².
  • ✓ Welcher Anteil als σ und welcher als τ erscheint, hängt von der gewählten Schnittrichtung ab.
  • Die Spannungskomponenten in einem Punkt sind für alle Schnittrichtungen gleich.

Welche Aussagen zu Hookeschem Gesetz und Zugversuch treffen zu?

  • ✓ σ = E · ε gilt nur im elastischen Bereich unterhalb der Streckgrenze.
  • ✓ Oberhalb von R_e bleibt nach Entlastung eine plastische Dehnung zurück.
  • ✓ Die Zugfestigkeit R_m ist das Maximum des technischen Spannungs-Dehnungs-Diagramms.
  • Spröde Werkstoffe kündigen ihr Versagen durch große plastische Verformung an.

Welche Aussagen über die Biegung treffen zu?

  • ✓ In der neutralen Faser ist die Biegespannung null.
  • ✓ Die Biegespannung ist am Querschnittsrand maximal und verläuft linear über die Höhe.
  • ✓ Die Randspannung berechnet man mit σ_b = M/W, nicht mit M/I.
  • Die Biegespannung ist über den ganzen Querschnitt konstant.

Welche Aussagen zum Satz von Steiner treffen zu?

  • ✓ Der Abstand a im Steiner-Anteil A · a² läuft vom Teilschwerpunkt zum Gesamtschwerpunkt.
  • ✓ Der Eigenanteil I_eigen wird immer mitgenommen, auch wenn der Steiner-Anteil dominiert.
  • ✓ Weil A · a² nie negativ ist, ist I bezüglich der Schwerachse am kleinsten.
  • Bei großem Abstand a darf man den Eigenanteil grundsätzlich weglassen.

Welche Aussagen über das Knicken treffen zu?

  • ✓ Knicken ist ein Stabilitätsversagen und tritt unterhalb der Druckfestigkeit des Materials ein.
  • ✓ Ein Druckstab knickt um die Achse mit dem kleinsten Flächenträgheitsmoment aus.
  • ✓ Beidseitige Einspannung (l_k = 0,5 · l) vervierfacht die Knicklast gegenüber beidseitig gelenkiger Lagerung.
  • Die Euler-Formel gilt unabhängig von der Schlankheit für alle Druckstäbe.

Welche Aussagen zu Schub und Torsion treffen zu?

  • ✓ τ = Q/A ist ein Mittelwert; beim Rechteck liegt das wahre Maximum bei 1,5 · Q/A in der neutralen Faser.
  • ✓ Bei Torsion eines Kreisquerschnitts ist die Schubspannung am Rand maximal und in der Stabachse null.
  • ✓ Für den Vollkreis gilt W_p = π · d³/16.
  • Ein geschlitztes Rohr ist torsionssteifer als ein geschlossenes Rohr gleicher Abmessung.

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Übungsfragen

1. Ein Zugstab trägt die Normalkraft N = 45 kN bei der Querschnittsfläche A = 300 mm². Zulässig sind σ_zul = 160 MPa. Welche Spannung liegt vor, und ist der Tragfähigkeitsnachweis erfüllt?

  • ✓ 150 MPa – der Nachweis ist erfüllt
  • 150 MPa – der Nachweis ist nicht erfüllt
  • 0,15 MPa – der Nachweis ist erfüllt
  • 1.500 MPa – der Nachweis ist nicht erfüllt

Lösung:

Kraft umrechnen: N = 45 kN = 45.000 N. Spannung: σ = N/A = 45.000 N / 300 mm² = 150 N/mm² = 150 MPa. Nachweis: σ_vorh = 150 MPa ≤ σ_zul = 160 MPa – erfüllt. Einheitenkontrolle: N durch mm² ergibt per Definition MPa.

Wer 0,15 MPa erhält, hat die 45 kN nicht in N umgerechnet und um den Faktor 1.000 zu klein gerechnet. 1.500 MPa entsteht durch einen Zehnerfehler bei der Fläche. Der Nachweis gehört immer explizit dazu: Eine berechnete Spannung ohne Vergleich mit der zulässigen ist noch keine Aussage über die Tragfähigkeit.

2. Ein Stahlstab (E = 210.000 MPa) mit l₀ = 2.000 mm und A = 200 mm² trägt die Zugkraft N = 21 kN. Um wie viel verlängert er sich?

  • ✓ 1,0 mm
  • 2,0 mm
  • 0,1 mm
  • 10 mm

Lösung:

Δl = N · l₀/(E · A) = 21.000 N · 2.000 mm/(210.000 N/mm² · 200 mm²) = 42.000.000/42.000.000 mm = 1,0 mm. Einheitenkontrolle: N · mm/(N/mm² · mm²) = mm. Kontrolle über die Kette: σ = 21.000/200 = 105 MPa, ε = 105/210.000 = 0,0005 = 0,5 ‰, Δl = 0,0005 · 2.000 mm = 1,0 mm.

Die Spannung von 105 MPa liegt deutlich unter der Streckgrenze von Baustahl, das Hookesche Gesetz ist also anwendbar. Wer 10 mm erhält, hat E mit 21.000 statt 210.000 MPa eingesetzt (GPa-Umrechnung um eine Zehnerpotenz verfehlt); 0,1 mm ist derselbe Fehler in die andere Richtung. Merke: Die Dehnung 0,5 ‰ ist typisch für elastisch beanspruchten Stahl – Ergebnisse im Prozentbereich sollten misstrauisch machen.

3. Ein Rechteckquerschnitt ist 20 mm breit und 60 mm hoch. Berechne Flächenträgheitsmoment I und Widerstandsmoment W für beide Einbaulagen: hochkant (die 60-mm-Seite ist die Höhe in Lastrichtung) und flach (die 20-mm-Seite ist die Höhe). Gib an, um welche Faktoren sich I und W unterscheiden, und führe die Einheitenkontrolle.

Lösung:

Hochkant (b = 20 mm, h = 60 mm): I = b · h³/12 = 20 · 216.000/12 = 360.000 mm⁴. W = b · h²/6 = 20 · 3.600/6 = 12.000 mm³. Kontrolle: W = I/z_max = 360.000/30 = 12.000 mm³.

Flach (b = 60 mm, h = 20 mm): I = 60 · 8.000/12 = 40.000 mm⁴. W = 60 · 400/6 = 4.000 mm³. Kontrolle: W = 40.000/10 = 4.000 mm³.

Faktoren: I wächst hochkant um 360.000/40.000 = 9, W um 12.000/4.000 = 3. Einheitenkontrolle: mm · mm³ = mm⁴ für I, mm · mm² = mm³ für W – beides stimmt.

Der Orientierungseffekt ist der Kern der Aufgabe: Die Höhe geht in I mit der dritten Potenz ein, in W mit dem Quadrat. Beim Tausch der Rollen von b und h ändert sich I um den Faktor (60/20)² = 9 und W um 60/20 = 3. Deshalb stellt man Balken hochkant: gleiches Material, neunfache Steifigkeit, dreifach kleinere Randspannung. Häufigster Fehler ist, die 60-mm-Seite auch in der flachen Lage als h einzusetzen – die Kontrolle über W = I/z_max deckt Rechenfehler zuverlässig auf.

4. Ein beidseitig gelenkig gelagerter Träger (Stützweite 2,0 m) trägt mittig F = 2,4 kN; das maximale Biegemoment beträgt M = F · l/4 = 1,2 kN·m. Der Querschnitt ist ein Rechteck 20 mm breit und 60 mm hoch, hochkant eingebaut. Welche maximale Biegespannung tritt auf?

  • ✓ 100 MPa
  • 300 MPa – dieser Wert entsteht, wenn der Träger flach läge
  • 3,33 MPa
  • 10 MPa

Lösung:

Widerstandsmoment hochkant: W = b · h²/6 = 20 · 60²/6 = 12.000 mm³. Moment umrechnen: M = 1,2 kN·m = 1.200.000 N·mm. Randspannung: σ_b = M/W = 1.200.000/12.000 = 100 MPa. Einheitenkontrolle: N·mm/mm³ = N/mm² = MPa. Nachweis, etwa gegen σ_zul = 140 MPa: 100 ≤ 140 – erfüllt.

Wer 3,33 erhält, hat M durch I = 360.000 mm⁴ geteilt – das Ergebnis hat dann nicht einmal die Einheit einer Spannung (N/mm³ statt N/mm²), die Einheitenkontrolle deckt diesen Fehler sofort auf. 300 MPa entsteht mit dem flach gelegten Querschnitt (W = 60 · 20²/6 = 4.000 mm³): Der Orientierungseffekt verdreifacht die Randspannung. 10 MPa ist ein Zehnerfehler bei der Momentumrechnung.

5. Eine Bolzenverbindung überträgt F = 24 kN zweischnittig; jede Scherfläche hat A = 200 mm². Zulässig sind τ_zul = 80 MPa. Wie groß ist die mittlere Schubspannung im Bolzen?

  • ✓ 60 MPa
  • 120 MPa – das wäre der einschnittige Fall
  • 30 MPa
  • 0,06 MPa

Lösung:

Zweischnittig tragen zwei Scherflächen: τ = F/(2 · A) = 24.000 N/(2 · 200 mm²) = 24.000/400 = 60 MPa. Nachweis: 60 MPa ≤ τ_zul = 80 MPa – erfüllt. Einheitenkontrolle: N/mm² = MPa.

Einschnittig stünde die volle Kraft einer einzigen Scherfläche gegenüber: τ = 24.000/200 = 120 MPa größer als 80 MPa, der Nachweis wäre verfehlt. Genau deshalb führt man hoch belastete Bolzen- und Nietverbindungen zweischnittig aus oder vergrößert den Bolzendurchmesser. Wer 30 MPa erhält, hat versehentlich vier Scherflächen angesetzt; 0,06 MPa entsteht, wenn kN nicht in N umgerechnet werden.

6. Ein Druckstab aus Stahl (E = 210.000 MPa, R_e = 235 MPa) ist beidseitig gelenkig gelagert, l = 2.000 mm. Der Querschnitt ist ein Rechteck 20 mm breit und 60 mm hoch. Berechne die Euler-Knicklast. Um welche Achse knickt der Stab? Vergleiche mit der Druckkraft, bei der das Material zu fließen begänne, und benenne die maßgebende Versagensart.

Lösung:

Der Stab weicht um die schwache Achse aus, also mit der 20-mm-Seite als Biegehöhe: I_min = 60 · 20³/12 = 40.000 mm⁴ (nicht 360.000 mm⁴).

Beidseitig gelenkig ist Euler-Fall 2: l_k = l = 2.000 mm.

Knicklast: F_k = π² · E · I_min/l_k² = 9,87 · 210.000 · 40.000/2.000² ≈ 20.700 N ≈ 20,7 kN. Einheitenkontrolle: N/mm² · mm⁴/mm² = N.

Fließen: F = R_e · A = 235 N/mm² · 1.200 mm² = 282.000 N = 282 kN. Da 20,7 kN weit unter 282 kN liegt, ist Knicken maßgebend – der Stab versagt durch Stabilitätsverlust bei gut 7 Prozent der Fließdruckkraft.

Zwei Fehler dominieren in Klausuren: das große I = 360.000 mm⁴ einsetzen (ergibt scheinbar plausible 186,5 kN – der Stab wäre neunfach überschätzt) und die Knicklänge falsch zuordnen (beidseitig gelenkig ist Fall 2 mit l_k = l; die übrigen Fälle: eingespannt/frei 2 · l, eingespannt/gelenkig 0,7 · l, beidseitig eingespannt 0,5 · l). Der Vergleich mit der Fließdruckkraft zeigt den Kategorienunterschied: Knicken ist Stabilitätsversagen und tritt hier lange vor jedem Festigkeitsversagen ein. Die Euler-Formel gilt dabei nur für schlanke Stäbe, die elastisch ausknicken – gedrungene Stäbe erreichen zuerst die Fließgrenze.

7. Ein gerader Stab hat einen Rechteckquerschnitt 30 mm breit und 40 mm hoch. Er trägt gleichzeitig die Zugkraft N = 48 kN und das Biegemoment M = 0,48 kN·m um die Achse, bei der die 40-mm-Seite die Höhe ist. Berechne die Spannungen an beiden Querschnittsrändern und führe den Tragfähigkeitsnachweis für σ_zul = 120 MPa.

Lösung:

Querschnittswerte: A = 30 · 40 = 1.200 mm², W = b · h²/6 = 30 · 40²/6 = 8.000 mm³.

Zuganteil (über den ganzen Querschnitt konstant): σ_N = N/A = 48.000/1.200 = 40 MPa.

Biegeanteil am Rand: σ_b = M/W = 480.000 N·mm/8.000 mm³ = 60 MPa, auf einer Seite als Zug, auf der anderen als Druck.

Überlagerung: zugseitiger Rand 40 + 60 = 100 MPa Zug, gegenüberliegender Rand 40 − 60 = −20 MPa, also 20 MPa Druck – das Vorzeichen kippt, obwohl der Stab insgesamt gezogen wird.

Nachweis: maximale Betragsspannung 100 MPa ≤ σ_zul = 120 MPa – erfüllt. Einheitenkontrolle: N/mm² = MPa in beiden Anteilen.

Die Addition funktioniert, weil Zug- und Biegespannung hier gleichgerichtete Normalspannungen sind; eine Vergleichsspannung nach von Mises wäre erst nötig, wenn zusätzlich Schubspannungen wirkten (etwa Torsion – dann σ_v = Wurzel aus (σ² + 3 · τ²)). Typische Fehler: das Moment nicht in N·mm umrechnen (480 statt 480.000 ergibt einen Biegeanteil von 0,06 MPa) und den zweiten Rand vergessen – die Druckseite kann bei anderen Zahlenwerten bemessungsrelevant werden, etwa wenn der Werkstoff auf Druck anders belastbar ist.

8. Welche Aussagen zu Zugversuch, Werkstoffkennwerten und zulässiger Spannung treffen zu?

  • ✓ An der Streckgrenze R_e endet der rein elastische Bereich; darüber bleibt nach Entlastung eine plastische Dehnung zurück.
  • ✓ Die Zugfestigkeit R_m ist die höchste Spannung im technischen Spannungs-Dehnungs-Diagramm.
  • ✓ Die zulässige Spannung entsteht, indem ein Werkstoffkennwert durch einen Sicherheitsfaktor geteilt wird – bei duktilen Werkstoffen meist R_e, bei spröden R_m.
  • Das Hookesche Gesetz σ = E · ε gilt im gesamten Diagramm bis zum Bruch.
  • Spröde Werkstoffe kündigen ihr Versagen durch große plastische Verformung an.

Lösung:

Richtig sind die Aussagen zur Streckgrenze, zur Zugfestigkeit und zur Bildung der zulässigen Spannung. Falsch ist die Aussage zum Hookeschen Gesetz – es gilt nur im linearen Anfangsbereich unterhalb von R_e. Ebenfalls falsch ist die Aussage zu spröden Werkstoffen: Große Verformung vor dem Bruch kennzeichnet duktile Werkstoffe; spröde brechen fast ohne Vorwarnung.

Die Kennwerte sind die Brücke zwischen Werkstoffprüfung und Nachweis: R_e bzw. R_m liefert den Grenzwert, der Sicherheitsfaktor macht daraus σ_zul, und jede Aufgabe endet mit σ_vorh ≤ σ_zul. Dass man duktile Werkstoffe gegen die Streckgrenze absichert, hat einen praktischen Grund: Schon bleibende Verformung macht ein Bauteil meist unbrauchbar, lange bevor es bricht.

9. Welche Aussagen über das Knicken von Druckstäben treffen zu?

  • ✓ Knicken ist ein Stabilitätsversagen und tritt ein, bevor die Druckspannung die Festigkeitsgrenze des Materials erreicht.
  • ✓ Ein beidseitig gelenkig gelagerter Stab entspricht Euler-Fall 2 mit der Knicklänge l_k = l.
  • ✓ Gedrungene, kurze Druckstäbe versagen eher durch Fließen, schlanke durch Knicken.
  • Ein Stab knickt um die Querschnittsachse mit dem größten Flächenträgheitsmoment aus.
  • Die Euler-Formel gilt für Druckstäbe jeder Schlankheit.

Lösung:

Richtig sind die Aussagen zum Stabilitätsversagen, zu Euler-Fall 2 und zur Unterscheidung schlank/gedrungen. Falsch ist die Aussage zur Knickachse: Der Stab weicht um die schwache Achse mit dem kleinsten Flächenträgheitsmoment aus – deshalb rechnet man mit I_min. Falsch ist auch der Geltungsanspruch der Euler-Formel: Sie setzt elastisches Ausknicken voraus und gilt nur für schlanke Stäbe; gedrungene erreichen vorher die Fließgrenze.

Die vier Euler-Fälle im Überblick: eingespannt/frei l_k = 2 · l, beidseitig gelenkig l_k = l, eingespannt/gelenkig l_k = 0,7 · l, beidseitig eingespannt l_k = 0,5 · l. Weil l_k quadratisch im Nenner von F_k = π² · E · I/l_k² steht, vervierfacht die beidseitige Einspannung die Knicklast gegenüber Fall 2. Und weil die Knicklast mit dem kleinsten I steht und fällt, knicken flache Rechteckstäbe stets um ihre dünne Richtung.

10. Welche Aussagen zu Flächenträgheitsmoment, Satz von Steiner und Biegespannung treffen zu?

  • ✓ Beim Rechteck geht die Höhe in Lastrichtung mit der dritten Potenz in I ein, die Breite nur linear.
  • ✓ Im Steiner-Anteil A · a² ist a der Abstand vom Teilschwerpunkt zum Gesamtschwerpunkt des zusammengesetzten Querschnitts.
  • ✓ In der neutralen Faser ist die Biegespannung null; zum Rand hin wächst sie linear.
  • Bei großem Abstand a darf der Eigenanteil I_eigen grundsätzlich weggelassen werden.
  • Die Randspannung erhält man, indem man das Biegemoment durch das Flächenträgheitsmoment I teilt.

Lösung:

Richtig sind die Aussagen zur dritten Potenz der Höhe, zum Steiner-Abstand und zur linearen Spannungsverteilung mit spannungsfreier neutraler Faser. Falsch ist das Weglassen des Eigenanteils – er gehört immer in die Summe I_eigen + A · a², auch wenn der Steiner-Anteil dominiert. Falsch ist auch M/I: Die Randspannung liefert σ_b = M/W mit W = I/z_max; M/I hätte nicht einmal die Einheit einer Spannung.

Der Steiner-Satz erklärt nebenbei, warum I-Profile so effizient sind: Die Gurte liegen weit vom Gesamtschwerpunkt entfernt, und ihr Anteil A · a² wächst quadratisch mit dem Abstand – im Beispielprofil der Zusammenfassung liefern die beiden Gurte über 90 Prozent des gesamten Flächenträgheitsmoments von 4.280.000 mm⁴. Da A · a² nie negativ ist, ist I bezüglich der Schwerachse außerdem am kleinsten – ein guter Plausibilitätscheck für jede Steiner-Rechnung.

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